Laufen mit Hallux valgus
Der Hallux valgus zählt zu den häufigsten Fehlstellungen am Fuß. Orthopäde Dr. Ulrich Bader beantwortet die wichtigsten Fragen: wie es dazu kommt, worauf Läuferinnen im Training achten sollten und welche Maßnahmen sinnvoll sind.

Was ist ein Hallux valgus überhaupt?
Ein Hallux valgus ist eine Fehlstellung des großen Zehs. Dabei verschiebt sich der erste Mittelfußknochen nach außen und ein sichtbar herausragender Ballen entsteht. Daher spricht man umgangssprachlich vom Ballenzeh. In ausgeprägten Fällen kann der große Zeh fast quer über den anderen Zehen liegen.
Wie macht sich ein Hallux valgus beim Laufen bemerkbar?
Es drückt, vor allem in engen Laufschuhen. Auch beim Abrollen kann der Fuß schmerzen. Häufig kommen Bewegungseinschränkungen hinzu, die sich mit der Zeit sogar auf die Laufleistung auswirken können. Der Ballen kann auch gerötet, geschwollen und schmerzempfindlich sein.
Lies auch: Sport in der Postmenopause
Was sind die Ursachen?
Meistens ist das Zusammenspiel mehrerer Faktoren ursächlich. Eine zentrale Rolle spielt die genetische Veranlagung. In vielen Familien tritt die Fußfehlstellung gehäuft auf. Spitze oder hohe Schuhe können die Entwicklung zusätzlich begünstigen, denn sie engen die Zehen ein. Häufig betroffen sind daher Frauen, die in der Freizeit regelmäßig hohe Absätze tragen. Zu enge Sportschuhe sind jedoch ebenfalls problematisch. (Lies auch: Helfen Altra-Laufschuhe bei Fußproblemen?)
Wird ein bestehender Hallux valgus durch Laufen schlimmer?
Die Fehlstellung selbst wird durch Laufen nicht messbar verschlimmert. Anders sieht es bei den Folgen aus. Je ausgeprägter der Hallux valgus, desto höher ist das Risiko für Verschleiß im Großzehengrundgelenk. Wer mit einem stark ausgeprägten Hallux valgus sehr intensiv weiterläuft und keine Gegenmaßnahmen ergreift, kann daher langfristig das Arthroserisiko erhöhen. Entscheidend ist also weniger das Laufen an sich als der Schweregrad der Fehlstellung.
Darf man mit Hallux valgus überhaupt laufen?
Bei einem leichten Hallux valgus spricht in der Regel nichts gegen das Laufen. Solange keine Schmerzen auftreten, der Ballen reizlos bleibt und der Laufschuh gut passt, ist Laufsport meist problemlos möglich. Eine Anpassung des Lauftrainings ist dann sinnvoll, wenn Beschwerden auftreten – etwa bei Druckstellen.
Wie sollten Läufer mit Hallux valgus das Training anpassen?
Ein entscheidender Punkt ist der Schuh. Wichtig ist eine breite Zehenbox, damit im Vorfußbereich nichts drückt oder scheuert (Lies auch: Natural Running und Barfußlaufen – sinnvoll oder riskant?).
Laufschuhe mit starker Sprengung – also deutlich erhöhter Ferse – können die Belastung im Großzehengrundgelenk erhöhen. Günstiger sind eher neutrale Modelle. Auch der Laufstil spielt eine Rolle. Beim Fersenlauf ist die Belastung im Großzehengrundgelenk höher als beim Mittelfußlauf, bei dem der Fuß gleichmäßiger aufsetzt.
Eine Laufstilanalyse kann helfen, mögliche Überlastungen zu vermeiden.
Wann sollte man zum Orthopäden?
Ein Arztbesuch ist sinnvoll, wenn die Beschwerden anhalten oder zunehmen, die Fehlstellung weiter fortschreitet oder das Laufen spürbar eingeschränkt ist. Ziel des Arztbesuchs ist es zu entscheiden, ob der Hallux valgus harmlos ist oder behandlungsbedürftig – und ob konservative Maßnahmen ausreichen oder weitere Schritte nötig sind.
Welche konservativen Maßnahmen empfehlen Sie?
Wichtig sind individuell angepasste Einlagen, die den Vorfuß entlasten und die Druckverhältnisse im Großzehengrundgelenk verbessern. Ergänzend kann Physiotherapie sinnvoll sein, um den Fuß zu stabilisieren. Ich empfehle außerdem gezieltes Fuß- und Unterschenkeltraining, etwa Zehengreifen und Zehenspreizen. Das Ausrollen der Plantarfaszie mit Ball oder Rolle kann Beschwerden zusätzlich lindern. Zehenspreizer können bei leichten Beschwerden entlasten. Auch Taping ist eine Option.
Wann muss operiert werden?
Eine Operation ist dann angezeigt, wenn konservative Maßnahmen keinen ausreichenden Erfolg bringen und die Lebensqualität stark eingeschränkt ist. In diesem Fall sollte man nicht zu lange warten, da sich die Fehlstellung sonst weiter verschlechtern kann.
Um den Ballenzeh zu korrigieren, wird der Knochen durchtrennt und der Großzeh wieder in die richtige Position gebracht. Die Knochen werden anschließend verschraubt, verplattet oder verdrahtet, damit sie stabil zusammenheilen. Dafür stehen verschiedene Operationsverfahren zur Verfügung. Welche Methode infrage kommt, richtet sich nach dem Ausmaß der Fehlstellung, insbesondere nach den Winkeln zwischen erstem und zweitem Mittelfußknochen. Ziel ist fast immer, die Beweglichkeit des Großzehengrundgelenks zu erhalten.
Wann ist Laufen nach einer OP wieder möglich?
Je nach OP-Methode beginnt der Belastungsaufbau meist nach etwa zehn bis zwölf Wochen. Zunächst stehen Kräftigungsübungen im Vordergrund, anschließend wird das Lauftraining schrittweise wieder aufgenommen. Wichtig ist dabei eine realistische Erwartungshaltung: Der Wiedereinstieg ins Laufen braucht Zeit und etwas Geduld. Ist alles gut verheilt, kann wieder normal trainiert werden.
Autorin: Gabriele Hellwig
Das könnte dich auch interessieren:




