Wadenschmerzen, Krämpfe oder Schwellungen beim Laufen? Warum auch junge Läuferinnen von Gefäßproblemen und Thrombosen betroffen sein können.
Gefäße unter Druck – Durchblutungsstörungen bei Läuferinnen
Jung, fit, toptrainiert – und trotzdem Gefäßprobleme? Was nach einem Widerspruch klingt, kommt in der Realität tatsächlich manchmal vor. Gefäßerkrankungen können auch junge Läuferinnen treffen. „Sport schützt vor vielen Erkrankungen – aber nicht automatisch vor jeder Gefäßerkrankung“, sagt Dr. Michael Lichtenberg, Chefarzt der Klinik für Angiologie am Klinikum Hochsauerland in Arnsberg.
Durchblutungsstörungen bei Läuferinnen – Gefäßerkrankungen können auch sportlich aktive Frauen und Männer treffen
Dr. Lichtenberg appelliert, bei wiederkehrenden Beschwerden wie Wadenschmerzen unter Belastung oder Schwellungen auch an eine Durchblutungsproblematik zu denken. Eine gefäßmedizinische Untersuchung kann klären, ob Arterien oder Venen beteiligt sind.
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So können junge Läuferinnen beispielsweise unter einem Popliteal Artery Entrapment Syndrome, kurz PAES, leiden. Dabei wird die Kniekehlenarterie eingeengt – häufig durch starke Muskulatur oder anatomische Besonderheiten in der Kniekehle. Dr. Lichtenberg erklärt: „In der Kniekehle verläuft die Arterie zwischen zwei Muskelköpfen des Wadenmuskels. Wenn diese Köpfe durch Training sehr kräftig werden, können sie die Arterie zusammendrücken. Dadurch kann die Arterie auf Dauer geschädigt werden.“ Im schlimmsten Fall bilden sich Gerinnsel, die in Richtung Fuß wandern und dort die Durchblutung gefährden.

Typisch sind Wadenschmerzen, Krämpfe oder ein Nachlassen der Leistung unter Belastung. Die Erkrankung entwickelt sich meistens schleichend – ein plötzlicher arterieller Verschluss ist jedoch ebenfalls möglich. Behandelt wird PAES in der Regel operativ: Der Gefäßchirurg entlastet die Arterie, indem die einengende Muskelstruktur gespalten oder korrigiert wird. Ist die Arterie bereits stark geschädigt oder verschlossen, kann zusätzlich ein Bypass notwendig werden. Ein Stent wird im Kniebereich meist vermieden, weil das Gefäß dort ständig Bewegung und Beugung ausgesetzt ist.
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Vorsicht vor Venenthrombose
Venenthrombosen gelten oft als Erkrankung älterer Menschen. Irrtum! Auch junge, sportliche Menschen können Blutgerinnsel in den Venen entwickeln. Risikofaktoren sind zum Beispiel lange Reisen zu Wettkämpfen, Flüssigkeitsmangel, Verletzungen, Operationen, genetische Veranlagung oder hormonelle Faktoren wie die Pille.
Durchblutungsstörungen bei Läuferinnen: Wenn Wadenschmerzen mehr bedeuten
Warnzeichen sind ein plötzlich geschwollenes Bein oder ein dicker Arm, ein Spannungsgefühl, Schmerzen, Überwärmung oder eine bläuliche Verfärbung. Solche Symptome sollten immer rasch abgeklärt werden. Denn eine Thrombose kann gefährlich werden, wenn sich ein Gerinnsel löst und in die Lunge wandert.
Je länger das Blutgerinnsel im Körper bleibt, desto größer das Risiko. Daher sollte ein Thrombus so schnell wie möglich entfernt werden. Doch an der Schnelligkeit haperte es bisher, wie Dr. Lichtenberg berichtet: „Bisher kamen bei einer akuten Thrombose vor allem gerinnungshemmende Medikamente zum Einsatz, die das Blutgerinnsel nach und nach auflösen. Doch das dauerte meistens mehrere Stunden.“ Inzwischen gibt es moderne schnelle Katheterverfahren: „Blutgerinnsel können heute bei einem einzigen Eingriff, der nur wenige Minuten dauert, komplett und schonend entfernt werden“, sagt Dr. Lichtenberg. Das Blut kann dann wieder optimal fließen.
Autorin: Gabriele Hellwig
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