Ein Knorpelschaden im Knie muss nicht zwangsläufig zu Arthrose führen. Orthopäde Dr. Raúl Borgmann erklärt, welche Symptome du ernst nehmen solltest, welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt und wie du deine Gelenke beim Laufen langfristig schützt.

Knorpel schützen, lange laufen: Wie du verhinderst, dass aus einem Knorpelschaden Arthrose wird

22. Oktober 2026

Laufen ruiniert die Gelenke? Im Gegenteil: Studien zeigen, dass Läufer sogar seltener eine Arthrose entwickeln als inaktive Menschen. Entscheidend ist, wie du trainierst. Orthopäde Dr. Raúl Borgmann erklärt, woran du einen Knorpelschaden erkennst, welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt und wie du langfristig vorbeugen kannst.

Knorpelschaden im Knie Stoßwellentherapie

Dr. Raúl Borgmann bei der Stoßwellentherapie am Knie

Hartnäckig hält sich das Vorurteil, Laufen schadet den Gelenken. Die Forschung sagt etwas anderes: „In einer Studie wurde bei Freizeitläufern nur in 3,5 Prozent der Fälle eine Hüft- oder Kniearthrose diagnostiziert, bei inaktiven Menschen dagegen in 10,2 Prozent“, sagt Dr. Borgmann. Erst im Leistungssport steigt das Risiko wieder: auf 13,3 Prozent.

Für alle, die in ihrer Freizeit regelmäßig die Laufschuhe schnüren, heißt das: Du bist auf dem richtigen Weg!

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Der Knorpel braucht Bewegung

Um zu verstehen, warum Laufen guttut, lohnt sich ein Blick ins Innere: Damit unsere Gelenke reibungslos funktionieren, sind die Knochenenden mit einer glatten Knorpelschicht überzogen. „Der Gelenkknorpel funktioniert wie ein Gleitlager und ist gleichzeitig eine Art Stoßdämpfer“, erklärt Dr. Borgmann. Denn jeder einzelne Schritt muss abgefedert werden.

Das Problem: Der Knorpel hat keine eigenen Blutgefäße. Er wird vor allem über die Gelenkflüssigkeit mit Nährstoffen versorgt. Dafür ist Bewegung ausgesprochen wichtig. „Der Knorpel funktioniert gewissermaßen wie ein Schwamm“, sagt Dr. Borgmann. „Unter Belastung wird Flüssigkeit herausgedrückt, bei der anschließenden Entlastung nimmt er wieder Gelenkflüssigkeit auf.“ Dieser Wechsel zwischen Druck und Entlastung ernährt das Knorpelgewebe.

Allerdings kommt es auf die richtige Belastung an. Während angemessene Bewegung den Gelenken guttut, können Verletzungen, Fehlstellungen und eine dauerhaft zu hohe Beanspruchung Knorpelschäden begünstigen.

Der medizinische Experte

Dr. Raúl Borgmann ist Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie sowie Diplom-Osteopath. Der Gründer der Freiburger Privatpraxis Orthopassion hat sich auf regenerative Orthopädie, Osteopathie und Bewegungsmedizin spezialisiert. Das Motto seiner Praxis lautet: „Regenerieren statt operieren.“ Dr. Borgmann betreut zahlreiche Sportler – darunter auch viele Läuferinnen und Läufer.

Privatpraxis Orthopassion Freiburg

Instagram: @orthopassion.de

 

Knorpelschaden oder Arthrose?

Knorpelschaden und Arthrose werden häufig gleichgesetzt. Tatsächlich handelt es sich jedoch nicht um dasselbe, wie Dr. Borgmann betont: „Ein Knorpelschaden ist ein örtlich begrenzter Defekt, vergleichbar mit einem Schlagloch in der Straße.“ Ein solcher Schaden kann beispielsweise nach einer Sportverletzung entstehen. Bei einer Arthrose sind dagegen größere Teile des Gelenks betroffen. Die Knorpelschicht ist großflächig zerstört, und auch andere Gelenkstrukturen können in Mitleidenschaft gezogen sein.

Knorpelschaden erklärt von Dr. Borgmann

„Ein Knorpelschaden muss nicht zwangsläufig zu einer Arthrose führen“, sagt Dr. Borgmann. „Allerdings kann er deren Entstehung begünstigen – vor allem dann, wenn die Ursache bestehen bleibt und das Gelenk weiterhin ungünstig belastet wird.“ Deshalb ist es wichtig, einen Knorpelschaden frühzeitig zu erkennen und entsprechend zu behandeln.

Knie und Sprunggelenk sind die Schwachstellen

Doch welche Gelenke sind bei Läuferinnen besonders anfällig für Knorpelschäden? „Am häufigsten betroffen ist das Kniegelenk“, erklärt Dr. Borgmann. Bei jedem Laufschritt muss das Knie ein Mehrfaches des Körpergewichts abfangen. Besonders problematisch wird das, wenn Fehlstellungen, frühere Verletzungen oder eine zu hohe Trainingsbelastung hinzukommen. Dann verteilt sich der Druck ungleichmäßig auf die Gelenkflächen, sodass sich der Knorpel mit der Zeit stärker abnutzen kann.

Auch im Sprunggelenk kann der Knorpel geschädigt werden. Häufig spielen dabei frühere Umknickverletzungen eine Rolle. Wenn die Bänder nicht vollständig ausheilen, kann eine dauerhafte Instabilität entstehen.

Bei der Hüfte können unter anderem anatomische Fehlstellungen wie eine Hüftdysplasie zu einem erhöhten Verschleiß beitragen. Daneben spielen auch entzündliche und stoffwechselbedingte Prozesse bei der Entstehung einer Arthrose eine Rolle.

Diese Warnzeichen solltest du ernst nehmen

Nicht jeder Schmerz nach dem Laufen deutet gleich auf einen Knorpelschaden hin. Gerade nach ungewohnten oder besonders intensiven Trainingseinheiten können Muskeln, Sehnen und andere Strukturen vorübergehend Beschwerden verursachen.

Hellhörig solltest du aber bei folgenden Symptomen werden und ein Besuch beim Orthopäden ist empfehlenswert:

  • Anlaufschmerzen oder Schmerzen, die immer wiederkommen
  • ein geschwollenes Gelenk, vor allem nach dem Training
  • Knirschen oder Reiben im Knie
  • ein Blockierungsgefühl oder Probleme, das Bein ganz zu strecken oder zu beugen

So wird ein Knorpelschaden festgestellt

Am Anfang steht das Gespräch: Gab es eine Verletzung? Wann haben die Beschwerden begonnen und wie haben sie sich entwickelt? Anschließend untersucht der Orthopäde das betroffene Gelenk, häufig auch mit Ultraschall. So können eventuelle Flüssigkeitsansammlungen im Gelenk erkannt werden. Kleinere Knorpelschäden sind bei einer Magnetresonanztomografie (MRT) gut zu sehen. Röntgenaufnahmen kommen vor allem bei einem fortgeschrittenen Verschleiß oder zur Planung einer Operation infrage.

Erst konservativ, dann operativ

Behandelt werden Knorpelschäden zunächst ohne Operation: mit einem Training zur Stabilisierung der Beinachse, einer Bewegungstherapie sowie einem Krafttraining. Dazu kommen regenerative Verfahren wie PRP-Injektionen mit Eigenblut, Stoßwellen- oder Magnetfeldtherapie, bei akuter Reizung auch der Laser.

Reicht das nicht, gibt es schonende operative Möglichkeiten den Knorpel wieder aufzubauen. „Vor allem die Mikrofrakturierung oder das Minced-Cartilage-Verfahren haben sich bewährt“, so Dr. Borgmann.

Mikrofrakturierung

Bei der Mikrofrakturierung, auch Knorpelanfrischung genannt, bildet der Körper selbstständig neuen Gelenkknorpel. Dafür werden zunächst mit einer Ahle kleine Löcher in die freiliegende Knochenoberfläche eingebracht. Die Stelle ähnelt anschließend einem Sieb. Tatsächlich handelt es sich um sogenannte „Regeneratinseln“. Durch diese haarfeinen Risse und minimalen Durchbrüche kommt es zum Austreten von Knochenmarkstammzellen. Entwicklungsfähige Zellen aus dem Blut setzen sich fest. Innerhalb der nächsten zwei bis drei Monate wandelt sich der Blutkuchen in Faserknorpel um. Dieser füllt nach und nach den Knorpeldefekt auf. Auf diese Weise kann der geschädigte Bereich wieder überdeckt werden.

Minced-Cartilage-Verfahren

Bei diesem neueren Verfahren entnimmt der Arzt körpereigenes Knorpelgewebe, zerkleinert es in winzige Stückchen und bringt diese direkt in den Knorpeldefekt ein. Dort werden sie mit einem speziellen Gewebekleber fixiert. Die enthaltenen Knorpelzellen sollen neues Knorpelgewebe bilden und so den Defekt auffüllen. „Es entsteht ein narbenartiger Faserknorpel. Das ist ein guter Ersatz, aber nicht so hochwertig wie der originale Knorpel“, sagt Dr. Borgmann.

So schützt du deinen Knorpel

Am besten ist es natürlich, Knorpelschäden möglichst gar nicht erst entstehen zu lassen. Und dafür können Läuferinnen selbst einiges tun. Die zwei wichtigsten Stellschrauben sind nach Angaben von Dr. Borgmann: „Das Training klug steuern und ein entzündungshemmender Lebensstil.“

Trainiere intelligent

  • Passe Umfang und Tempo deinem Trainingsstand an und steigere die Belastung nur langsam.
  • Wärme dich vor dem Laufen ausreichend auf.
  • Baue regelmäßig Krafttraining ein, besonders wenn du häufig bergab läufst.
  • Achte auf eine stabile Beinachse und ergänze dein Training durch Mobilitätsübungen.
  • Trage gut passende Laufschuhe.
  • Laufe möglichst auf weichem Untergrund.

Lebe entzündungshemmend

  • Ernähre dich mediterran und eher kohlenhydratarm.
  • Reduziere deinen Zuckerkonsum und verzichte möglichst auf Alkohol und Nikotin.
  • Achte auf ein gesundes Körpergewicht.
  • Sorge für ausreichend Schlaf und einen guten Ausgleich zu Stress.

Autorin und fachjournalistische Prüfung: Gabriele Hellwig, Medizinjournalistin

Veröffentlichung: 22.10.2026

Foto: Orthopassion

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Darf ich mit einem Knorpelschaden im Knie noch laufen?

Bewegung ist wichtig für die Versorgung des Gelenkknorpels mit Nährstoffen. Entscheidend ist dabei die richtige Belastung. Während angemessene Bewegung den Gelenken guttut, können Fehlstellungen, frühere Verletzungen und eine dauerhaft zu hohe Trainingsbelastung Knorpelschäden begünstigen.

Dr. Borgmann empfiehlt deshalb, Trainingsumfang und Tempo dem eigenen Leistungsstand anzupassen, die Belastung langsam zu steigern und regelmäßig Krafttraining zur Stabilisierung der Beinachse einzubauen. Bei wiederkehrenden Schmerzen, Schwellungen oder einem Blockierungsgefühl im Knie ist eine orthopädische Untersuchung empfehlenswert.

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