74 Jahre alt und immer noch hungrig auf Weltrekorde im Laufen

Wie Jeannie K. Rice als 35-Jährige das Laufen entdeckte und seitdem nicht mehr zu stoppen ist

Weltrekorde im Laufen Interview Jeannie K Rice 74 Jahre

Wenn Jeannie bei Laufevents auftaucht, kommen junge und alte Sportler und wollen ein Selfie mit ihr machen. Sie ist ein großes Vorbild, eine Inspiration. Erst mit 35 Jahren begann Jeannie zu laufen, um etwas abzunehmen. Heute sieht die 74-Jährige aus wie ein Fitnessmodel, läuft Marathons und stellt in ihrer Altersklasse immer neue Weltrekorde im Laufen auf.

Wir haben ein Interview mit der herzlichen energiegeladenen Sportlerin aus Florida gemacht und Jeannie nach ihrer Geschichte und ihren Tricks gefragt: Was tut man, um so jung und fit zu bleiben und welche Tipps hat sie für uns alle auf Lager?

Wie alt bist du heute und wie jung fühlst du dich?

Jeannie: Ich bin 74 Jahre alt und ich bin mir nicht sicher, wie jung ich mich fühle, aber ich weiß, dass ich mich nicht viel älter fühle als damals, als ich 35 Jahre alt war, als ich anfing zu laufen.

Wie kam es dazu, dass du in deinen 30ern den Laufsport für dich entdeckt hast?

Jeannie: Ich bin recht früh, als ich 19 Jahre alt war, in die USA gezogen und habe eine Familie gegründet. Laufen stand bei mir irgendwie nie so auf dem Plan. Als ich 1983 für ein paar Wochen in meine Heimat Seoul in Korea reiste, um Zeit mit meinen Verwandten zu verbringen, saßen wir ständig zusammen und haben Unmengen an Essen vertilgt.

Als ich zurück nach Hause flog, passte ich nicht mehr so gut in meine Jeans und war von dem Ergebnis, das die Waage anzeigt, auch nicht so begeistert. Also fing ich an zu laufen – weil ich dachte, das wäre der einfachste Weg, um den Speck wieder loszuwerden.

Zu den ersten Rennen kam ich dann über meine Freundinnen. Wir haben bei einem lokalen 5 Meilen Lauf mitgemacht und da habe ich dann auch gemerkt, dass ich ziemlich schnell bin. Ich belegte in meiner Altersklasse den 4. Platz. Das motivierte mich, härter zu trainieren und zu jedem Rennen in der Nähe zu fahren. Die meisten Rennen gewann ich in meiner Klassifikation und in der Gesamtwertung weiblich. Das hat mich motiviert, immer weiter zu trainieren.

Wie hat deine Familie reagiert, als du mit dem Marathonlaufen anfingst und immer mehr gelaufen bist?

Jeannie: Meine Mutter und auch der Rest der Familie waren eher skeptisch. Sie hatten Sorge, dass all das Laufen nicht gut für mich ist. Aber mit den Erfolgen haben sie ihre Meinung geändert. Und ich habe sehr aufgepasst, dass ich gesund bleibe und bei allem Ehrgeiz die Freude behalte.

Weltrekorde im Laufen Jeannie beim Warm up vor einem Marathon

Was war dein größter Erfolg?

Jeannie: Erst fing ich an, die nationalen Rekorde auf verschiedenen Distanzen zu brechen, dann folgten Weltrekorde im Laufen beim Chicago-Marathon 2018 (3:27:48) und im Folgejahr in Berlin (3:24:50), die Rekorde auf 10 Meilen 2019 (1:11) und beim Halbmarathon 2019 (1:37:07).

Wo lebst du und was inspiriert dich, worauf freust du dich im Alltag?

Jeannie: In den Sommermonaten lebe ich in Cleveland, Ohio und die Wintermonate verbringe ich in Naples, Florida. Ich liebe es, in der Natur zu sein, treffe mich sehr gern mit Freunden zum Laufen oder Golfen und verbringe auch sonst sehr gern Zeit mit Menschen –  soziale Aktivitäten sind sehr wichtig.

Und da ich es liebe an Wettkämpfen teilzunehmen, treiben mich diese natürlich das Jahr über sehr an! Ich finde immer etwas, das mich anspornt. Neue Ziele zu setzen ist ganz wichtig. Sie halten einen in Bewegung – den Körper, aber auch den Kopf! Ich habe keine Lust auf Rente. Ich werde so lange weiterlaufen, wie es geht. Ich fühle mich gut und das Laufen ist einfach ein großes Geschenk, das ich sehr genieße.

Du bist viel stärker als viele junge Frauen, die ich kenne. Wie bleibst du so fit?

Jeannie: Das wichtigste ist: Ich habe sehr viel Glück gehabt und bin vor vielem bewahrt worden. Ich hatte keine Laufverletzungen mit all den Meilen (ungefähr 98.000 Meilen), die ich im Laufe der Jahre gerannt bin.

Aber ich achte grundsätzlich sehr auf gesunde Ernährung. Ich mag Fisch, Salate, alle möglichen Gemüse und etwas Reis. Mein Lieblingsessen ist feldgrüner Salat mit einem Stück geräuchertem Lachs. Vor dem Marathon mag ich Linguini mit Claims (Knoblauch & Olivenöl) und Spinat.

Ich esse kaum frittiertes Essen oder Süßigkeiten. Wenn ich einen Nachtisch brauche, dann ist es frisches Obst. Ich gönne mir auch mal hausgemachte Kekse, Geburtstagskuchen und Eis, aber nicht sehr oft.

Ich versuche, genug Schlaf zu bekommen. Ich gehe früh ins Bett, da ich gerne früh aufstehe, um zu laufen.

Was extrem gut tut ist eine Beinmassage einmal pro Woche. Das ist ein Genuss und hält fit. Sonst habe ich keine anderen Tricks.

Was ist dein Rat, um gesund und stark zu bleiben?

Jeannie: Ich denke es ist gut, fetthaltige Lebensmittel (insbesondere Frittiertes und Butter) sowie Zucker zu meiden. Frisches Gemüse und frisches Obst sind viel nahrhafter als Gefrorenes oder Dosenzeug.

Weltrekorde im Laufen Jeannie beim Warm up mit Freundinnen

Wie sieht dein wöchentliches Training aus? Machst du neben dem Laufen noch andere Sportarten?

Jeannie: Mein Training umfasst ungefähr 50 Meilen pro Woche und das über das ganze Jahr. An einem Tag steht immer ein Tempolauf und „Pick-ups“ an. Ich erhöhe die Laufleistung auf 65-70 Meilen pro Woche, wenn ich für den Marathon trainiere.

Außerdem versuche ich Golf zu spielen, wann immer ich kann. Aber Golfen ist für mich kein Work-out, außer dass ich dabei viel herumlaufe. 2-3 Mal die Woche mache ich noch ein leichtes Work-out.

Du bist oft schon früh am Morgen unterwegs, wann stehst du auf?

Jeannie: Ja, in den Wintermonaten in Florida treffe ich mich mit anderen Läufern schon um 6:00 Uhr morgens, um zusammen zu trainieren. Viele der Läufer sind ja viel jünger und haben immer noch einen Job. Ein weiterer wichtiger Grund, früh am Morgen zu laufen, ist für mich die Hitze – die versuche ich zu meiden.

Was ist dein Ziel für dieses oder die kommenden Jahre?

Jeannie: Ich habe gerade meinen 126. Marathon in Boston 2022 absolviert und in meiner Klassifikation gewonnen. Ich bin jetzt gerade auf dem Weg zu meinem nächsten Wettbewerb: „USATF Masters National 1 mile Championship“ und gespannt, wie es wird. Ich bin keine Kurzstreckenläuferin, aber da sie eine Altersauszeichnung haben und ich gerne sehen würde, wo ich im Alter im 1-Meilen-Wettbewerb stehe, mache ich da mal mit.

weltrekorde-im-laufen-jeannie-k-rice-74-jahre-beim-1-mile-lauf

Als nächstes bin ich wieder zur „Hood to Coast 200 Meilen“ Staffel eingeladen, alle Teams (12 Läufer) sind 70+ Jahre alt…. Es ist in Portland Oregon am 26. und 27. August 2022. Da freue ich mich sehr drauf.

Der nächste Marathon wird im Oktober in Kapstadt, Südafrika, stattfinden, aber ich würde dieses Jahr gerne noch einen weiteren Marathon absolvieren, bin mir aber nicht sicher, welcher es sein wird…

Ich bin immer noch auf der Jagd, meinen Marathon-Weltrekord im Laufen von 70-74 Jahren erneut zu brechen, aber es gibt ein paar schnelle Läufer in meiner Altersgruppe und sie können meine Rekordzeit leicht brechen.

Ich werde mein Bestes geben, um gesund zu bleiben und nächstes Jahr werde ich definitiv versuchen, Weltrekorde im Laufen für das Alter 75+ zu brechen.

Vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast!

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