Wie kann man 20 Kilo in einem Jahr abnehmen?
Eine Erfolgsgeschichte

Jenny hat Jahre lang erfolglos mit Diäten und dem „Jojo-Effekt“ gekämpft. Doch im letzten Jahr schaffte sie das scheinbar Unmögliche: sie nahm in 12 Monaten 20 Kilogramm ab. Wie es ihr gelang, ihren Lebensstil nachhaltig zu ändern und ihr Wunschgewicht auch zu halten – darüber redet sie hier im Interview.

Jenny

Name: Jennifer Winkels
Alter: 31 Jahre
Geboren in: Recklinghausen
Größe: 1,64m
Anfangsgewicht 2020: 88kg
Gewicht 2021: 66 kg
Lieblingssport: Tanzen
Lieblingsgericht: Spaghetti Bolognese (& Schokolade)

Abnehmen: 20 Kilo weniger in einem Jahr

Tabitha Bühne im Interview mit Jennifer Winkels

„Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Aber man muss ihn auch gehen!“

Ich kenne Jenny seit vielen Jahren, wir haben uns im Friseursalon kennengelernt und uns angefreundet. Eine hübsche junge Frau, 31 Jahre alt, die gerne tanzt, aber solange ich sie kannte immer ein paar Pfunde zu viel auf den Rippen hatte. Sie gab mir Tipps für meine Haare, ich versorgte sie mit Vorschlägen für eine gesunde Ernährung und Sport.

Doch Jenny fiel immer wieder in alte Muster zurück. Zwar gelang es ihr, für ihre Hochzeit 8 kg abzunehmen – nur um anschließend genauso schwer zu sein wie zuvor. Der Jojo-Effekt wurde ihr ständiger Begleiter. Irgendwann wurde sie durch eine Fußverletzung und Krankheiten komplett eingebremst. Kein Tanzen mehr, kein Spazierengehen, sie war verzweifelt.

Die Umwandlung

Heute ist Jenny zwanzig Kilo leichter und kaum wieder zu erkennen. Natürlich sagt ihr Gewicht nichts über ihren Wert aus – sie war vorher genauso liebenswert und wundervoll. Doch die neu gewonnene Lebensqualität strahlt ihr aus jeder Pore. Sie fühlt sich leichter, schöner und freier als je zuvor. Welche Rolle das Laufen und die Ernährungsumstellung gespielt haben, verrät sie hier im Interview.

Tabitha: Du hast im letzten Jahr 20 Kilogramm abgenommen. Eine starke Leistung! Wie sahen denn deine Abnehm-Versuche in der Vergangenheit aus, warum hat es vorher nie funktioniert?

Jenny: Ich habe immer daran geglaubt, dass man Hungern muss, um dünner zu werden, habe viele Diäten ausprobiert um abzunehmen – und jedes Mal auch etwas abgenommen, nur um im Nachhinein wieder zuzunehmen. Dieses ständige Auf und Ab hat mich total verunsichert und fertig gemacht. 2010 hatte ich einen Sturz mit Fersenbruch und Bänderriss. Ich konnte gar nichts mehr machen und war total frustriert. Da habe ich dann noch mehr gegessen.

Dann kam die Hochzeit. Ich habe Monate lang nur Gemüse und Putenfleisch gegessen, um 8 Kilogramm abzunehmen. Nach der Hochzeit bekam ich die Quittung. Natürlich habe ich nicht mehr drauf geachtet, was ich esse und trinke und bin wieder komplett auseinander gegangen…

Im Januar 2020 habe ich mich auf die Wage gestellt und mein Gewicht gesehen: 87,7kg. Bei einer Körpergröße von 1.64 Metern. Das war der Tag, an dem ich beschloss, dass es so nicht mehr weitergehen kann und ich eine langfristige Lösung finden muss.

Ich habe seit jenem Tag innerhalb von einem Jahr 20 Kilo abgenommen und mein aktuelles Gewicht nun seit Monaten gehalten. Das ist eine völlig neue Erfahrung – kein Auf und Ab mehr. Es ist ein neues Lebensgefühl!

Tabitha: Wie ist es denn jetzt gelungen, so viele Kilos abzunehmen und das Gewicht auch zu halten?

Jenny: Um konsequent abzunehmen und das Gewicht dann auch zu halten, muss man seine komplette Ernährung umstellen und dranbleiben. Mein Mann Tobi hat mir immer wieder erklärt, wie man den Stoffwechsel anregt und dauerhaft abnimmt. Ihm macht es Spaß, sich mit Themen wie Ernährung und Sport zu beschäftigen – das war mein Glück. Er hat mich sehr unterstützt. Zu zweit ist es doch deutlich einfacher, als allein diesen Weg zu gehen. Aber gehen musste ich den Weg schon selbst, das konnte er mir nicht abnehmen.

Tabitha: Was hast du konkret an deiner Ernährung und Lebensweise geändert?

Jenny: Ernährung sollte für jeden Menschen ein wichtiges Thema sein! Egal bei welchem Gewicht sollte man wissen, was man wirklich braucht, was einem gut tut und was auf Dauer nur müde macht und beschwert. Ich musste erst mal rausfinden, wie viele Kalorien ich am Tag wirklich brauche und zu mir nehmen sollte. Und diese habe ich dann nochmal unterteilt in Gramm bei Kohlenhydraten, Eiweißen und Fetten.

Ich habe mich zum ersten Mal richtig mit Nahrungsmitteln auseinandergesetzt und geschaut, was da drin ist und wie die gesunden Mengen zusammengesetzt werden sollten, damit ich gut versorgt bin und nicht zu viel aufnehme. Mir hat es sehr geholfen, alles mit einem Kalorienrechner im Internet auszurechnen. Ich brauchte die Kontrolle, um mich sicher zu fühlen. Außerdem habe ich auf „leere Kohlenhydrate“ komplett verzichtet. Statt Weizenprodukte habe ich Dinkelnudeln gekocht und statt weißen Brötchen Vollkornprodukte gekauft.

Die ersten Monate habe ich außerdem komplett auf Zucker verzichtet – auch auf Lebensmittel mit Zuckerzusatz. Es war erschreckend festzustellen, dass fast überall Zucker enthalten ist – bei fast allen Nahrungsmitteln stand auf den Inhaltsstoffen Zucker mit drauf, selbst bei Produkten, wo ich es im Leben nicht erwartet hätte. Mir gingen die Augen auf, wie viel Zucker ich Jahre lang gegessen habe, ohne es zu wissen.  Was vorne drauf steht, ist nicht immer drin… Was hinten drauf steht zählt.

Ich habe zum Beispiel Jahre lang kaum gefrühstückt, einfach, weil es mir mit dem Job zu stressig war. Also habe ich mir eine Müllermilch gekauft und gedacht, das ist ein Getränk und hat wenig Kalorien. Ich habe nie genau nachgeschaut. Mittags gab es dann oft noch einen Saft zwischendurch oder abends mal eine Cola. Ich wäre im Leben nicht darauf gekommen, wieviel Zucker ich allein durch Getränke zu mir nehme. Verrückt… In einer Flasche Müllermilch sind 45g Zucker. 15 Würfel Zucker in einer einzigen Flasche, die ich mal eben auf die Schnelle ausgetrunken habe. Und das regelmäßig über Jahre…

Ich habe mir eine App runtergeladen, die mich erinnert wieviel Kalorien in Form von Kohlenhydraten, Fett und Eiweiß ich pro Tag zu mir nehmen sollte. Das hat geholfen, um abzunehmen. Ich habe angefangen alles abzuwiegen, jede Paprika, einfach alles was ich gegessen oder getrunken habe, wurde erstmal auf die Waage gestellt und dann in der App eingetragen.

Diese Produkte hier habe ich 7 Monate lang komplett aus meiner Ernährung verbannt:

Fertigsaucen – Ketchup,

Säfte,

Alle Nahrungsmittel mit Zuckerzusatz (und es war erschreckend, wo überall Zucker drinsteckt, wo man es gar nicht erwartet hätte).

Süßgetränke wie Cola habe ich mit Lightprodukten ausgetauscht

Süßigkeiten esse ich nur in Maßen, Säfte nur gelegentlich und nur als Direktsaft. Und ich trinke jeden Tag mindestens 1,5 Liter Wasser. Statt Brot gab es eine Zeit lang Haferflocken.

Wichtig ist, sich wirklich mit den Lebensmitteln zu beschäftigen, herauszufinden, was wirklich guttut und sich nicht nur in dem Moment, sondern langfristig gut anfühlt.

Tabitha: Welche Rolle spielt der Sport beim Abnehmen?

Jenny: Sport ist so wichtig, um sich in seiner Haut wohl zu fühlen. Ich habe zusätzlich angefangen zum Tanzen und Laufen zu gehen. Sport macht mir aber auch einfach wahnsinnig viel Spaß. Wichtig ist, einen Sport zu finden, der richtig Freude macht, wo man sich anschließend einfach gut fühlt. Man muss nicht losrennen wie eine Irre, es reicht, locker zu starten. Joggen ist auf jeden Fall das Beste, was man tun kann, um abzunehmen
Aber meiner Meinung nach macht 95% die Ernährung aus, wenn die nicht passt, passiert nichts.

Tabitha: Wie hat dein Umfeld reagiert und wie wichtig ist mentale Unterstützung um abzunehmen?

Jenny: Unterschiedlich. Lob motiviert einen am meisten – von Kollegen, Familie, Freunden – das hat mich total gestärkt. Am Anfang neigten auf der Arbeit alle Kollegen dazu, mich zu belächeln. Vor allem, wenn ich die Friseurwaage benutzt habe, um alles abzuwiegen, was ich esse. Später waren sie aber beeindruckt, dass ich es wirklich geschafft habe.

Tabitha: Und was hat dieser Erfolg mit dir gemacht, wie fühlst du dich jetzt im Alltag?

Jenny: Ich fühle ich wohl und schön. Und so viel unbeschwerter. Es ist nicht einfach, mit Übergewicht zu leben, ob beim Klamotten kaufen oder beim Arbeiten. Beim Sport ist es ein riesiger Unterschied, vor allem beim Tanzen habe ich nicht mehr nach 20 Minuten schon einen feuerroten Kopf.

Tabitha: Gibt es etwas, das du heute sehr magst, etwas, das du früher nicht ausstehen konntest?

Jenny: Kaffee

Tabitha: Gibt es irgendwas Essbares oder ein Getränk, von dem du früher nie gedacht hättest, dass du ohne es leben kannst?

Jenny: Zucker. Ich habe oft 2 oder 3 Berliner gegessen – heute brauche ich das nicht mehr. Ich weiß nicht nur, dass Zucker mir nichts Gutes tut. Es ist ein anderes Gefühl, das ich damit verbinde.

Tabitha: Hast du Angst, dass es doch mal wieder zurückschlägt und du in alte Bahnen fällst?

Jenny: Ich führe immer ein Ernährungstagebuch, auch an Tagen, wo es mal nicht so gut gelaufen ist. Wenn ich das nicht machen würde, hätte ich Angst. Ich wiege mich auch jeden Tag. Das hilft mir einfach, auf dem Weg zu bleiben. Für mich ist das kein Zwang, sondern einfach der beste Weg auf mich aufzupassen und nicht in einen Verdrängungsmodus zu kommen und auf alte Bahnen zu geraten. Ich habe so viel abgenommen.

Tabitha: Was machst du, wenn mal ein Tag nicht so gut läuft?

Jenny: Dann pass ich auf, dass der nächste Tag gut läuft, mache Sport und esse nur ganz wenige Kohlenhydrate, sondern mehr Gemüse und Eiweiß. Es ist mir wichtig, nicht komplett auf alles zu verzichten, sondern auch Freude an Dingen zu behalten. Wir kaufen uns keine Süßigkeiten. Nur an Feiertagen oder wenn Besuch kommt.

Tabitha: Was würdest du anderen empfehlen, die abnehmen wollen?

Jenny: Man muss einen Weg finden, mit dem man langfristig Erfolge hat. Der sieht bei jedem etwas anders aus.

Jennys´ Tipps:

  • Ich würde abends nach dem Sport nichts essen. Da hätte ich das Gefühl mich selbst zu veräppeln. Ich trinke dann einen Eiweißshake und gut ist.
  • Ein paar Strukturen brauchen wir. Ein Glas Wasser vorm Wohnungsverlassen (das habe ich übrigens von dir übernommen, Tabitha)
  • Jeden Tag mein Ernährungstagebuch führen, das hilft mir ungemein
  • Wenn man eine Ernährungsumstellung macht und einkaufen geht, sieht man überall, was man alles nicht essen darf und was dann natürlich zufällig gerade im Angebot ist. Da sage ich mir jetzt immer: Es rennt dir ja nicht weg, das gibt es auch in 10 Jahren noch zu kaufen.

Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Man muss ihn nur bis zum Ende gehen.

Tabitha: Vielen Dank für das Gespräch!

 

Bewegende Geschichten findest du auch in unseren Podcasts. Reinhören lohnt sich!