Die Kraft der Bäume – warum Laufen im Wald uns gesünder macht!

Wenn der Stress zunimmt, muss man eigentlich nur zwanzig Minuten in den Wald gehen und kommt verändert wieder heraus. Aber warum ist das so? Warum sollten wir viel öfter einfach im Wald unsere Runde drehen, um mental und körperlich wieder zu neuen Kräften zu kommen?

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Fotocredit: David Bühne. Santa Elena, Costa Rica

Die Kraft der Bäume für Läufer

Der Wald bringt uns zur Ruhe. Hier können wir aufatmen, loslassen, entschleunigen. Das Rascheln der Blätter, die Farben, die herrlich frische Luft, der weiche Boden unter den Füßen… Vor allem, wenn wir morgens oder abends durch einen menschenleeren Wald joggen, ist der Effekt besonders groß. Was wir hier mit allen Sinnen erleben – riechen, hören, schmecken, sehen und fühlen, ist wie ein kleiner Kurzurlaub für Körper und Seele.

Was hat Laufen im Wald mit unserer Gesundheit zu tun?

Wer sich im Grünen bewegt, tut seiner Seele und seinem Körper etwas Gutes: Das Immunsystem wird gestärkt, der Stress abgebaut, die Atmung verbessert, die Reizüberflutung des Alltags gestoppt, die Kreativität gefördert und die Lebensqualität und Freude nimmt zu. Regelmäßige Zeit in der Natur lässt Menschen weniger depressiv und unausgeglichen fühlen, macht sie entspannter und zufriedener. Das zeigen mehrere Untersuchungen.

Bäume stärken unsere Abwehrkräfte

Doch die Heilkraft der Bäume geht noch weiter: Wer regelmäßig einen Wald aufsucht und Zeit darin verbringt, hat mehr sogenannte Killerzellen: Abwehreinheiten des Immunsystems, die in der Lage sind, Krankheitserreger zu bekämpfen.

Ein Grund dafür sind die Duftstoffe, die von Bäumen ausgehen. Zu dieser Jahreszeit fällt uns sicher sofort der Geruch von Tannen ein, aber auch andere Baumsorten riechen intensiv, erfrischend und laden zu einer tiefen Atmung und Erholung ein. Die Terpenoide haben jedoch auch eine besonders gesundheitsfördernde Wirkung. Sie stärken unsere Abwehrkräfte.

Laufen im Wald Tabitha in der Nähe von Leipzig

Wie funktioniert das Waldbaden beim Laufen am besten?

Das „Waldbaden“ ist keine neue Sache und wir brauchen auch kein „Shinrin-Yoku“ aus Japan, um unsere Gesundheit zu verbessern. Wir Läufer haben ja den großen Vorteil, dass wir uns ohnehin gerne bewegen. Wir müssen also nur schauen, dass wir viel öfter einen Wald für unser Hobby aufsuchen und die Strecken öfter dahin planen, wo möglichst viele Bäume stehen.

Das bewusste Zeitverbringen und Laufen im Wald dient unserem mentalen und körperlichen Wohlbefinden. Ich empfehle es ohne Musik, denn der Wald klingt nicht nur wunderbar, Stöpsel im Ohr mindern den positiven Effekt meiner Erfahrung nach. Es ist die Stille der Natur und ihre eigene Klangwelt, das bewusste Genießen mit allen Sinnen, das unseren Stresspegel nach unten bringt und uns auftanken lässt.

Wie oft und wie lange sollten wir Zeit im Wald verbringen?

Bereits nach zwanzig Minuten in der Natur wird das Stresshormon Cortisol deutlich reduziert. Unser Blutdruck sinkt und wir entspannen. Die Waldluft mit ihren Botenstoffen erfrischt und beruhigt. Die Grüntöne machen uns zuversichtlicher. Wir tanken auf, seelisch und körperlich und sind hinterher belastbarer und munterer.

Japanische Forscher raten zu vier Stunden einmal im Monat. Mir würde das ehrlich gesagt nie reichen. Ich brauche meine Sportzeit oder einen Spaziergang im Wald mindestens dreimal pro Woche und einmal eine ausgiebige dreistündige „Waldkur“ an einem freien Tag alle zwei Wochen, um glücklich und gesund zu bleiben.

Laufen im Wald hilft immer

Erst bei 200 bis 300 Minuten im Wald erzielen wir den nötigen Effekt

In einer Studie aus der Fachzeitschrift „Scientific Reports“ heißt es, dass sich erst nach einer Dauer von zwei Stunden Auszeit pro Woche in der Natur die signifikant gesundheitsfördernden Effekte ergeben. Die größte Wirkung soll demnach bei zwischen 200 und 300 Minuten pro Woche erzielt werden.

Ein guter Grund, die langen Einheiten im Wald zu erleben. Das tut nicht nur der Seele und dem Immunsystem gut, es ist aufgrund des weicheren Bodens auch Gelenkschonender als Kilometer auf dem Teer zu sammeln, wo die Aufprallkräfte deutlich höher sind.

Wer nicht länger als 30 Minuten oder eine Stunde läuft, der kann einfach mehrfach pro Woche in den Wald gehen. Denn die 200 bis 300 Minuten sind laut der Untersuchung auch dann effektiv, wenn sie nicht an einem Stück, sondern in Etappen innerhalb einer Woche erreicht werden. Selbst ein Spaziergang in der Mittagspause im nahegelegenen Park kann so schon einen Beitrag für die seelische und körperliche Gesundheit leisten.

Laufen im Wald Tabitha beim Sprung über einen Ast

„Nun ist ein alter Baum ein Stückchen Leben. Er beruhigt. Er erinnert. Er setzt das sinnlos heraufgeschraubte Tempo herab, mit dem man unter großem Geklapper am Ort bleibt…“ (Kurt Tucholsky)