Strava für Läuferinnen: Das eigene Tempo zwischen Community und Vergleich

Eine Pace, eine Zielzeit, eine persönliche Bestleistung: Auf Strava wird Laufen in Zahlen sichtbar. Für Läuferinnen stellt sich dabei die Frage, wie sie diese Informationen für ihre eigenen Ziele nutzen können.

Strava für Läuferinnen Lisa Klein Run-Club Leaaderin beim Berlin Marathon

Lisa Klein, Run-Club Leaderin bei blend kollektiv und ein Teil ihrer Laufcrew beim Berlin-Marathon

Die bereitgestellte Strava-Auswertung zum Berlin-Marathon gibt Anlass, genauer hinzusehen: 52 Prozent der erfassten Frauen liefen eine persönliche Bestzeit, 27 Prozent ihren ersten Marathon. Wir sprechen mit Lisa Klein, Run-Club-Leaderin bei blend kollektiv, darüber, welche Rolle Strava für Läuferinnen in einer Laufcommunity spielt, wie sie mit Leistungsvergleichen umgehen können und was die Marathon-Zahlen über persönliche Erfolge erzählen. 

Berlin-Marathon 2026: Bestzeiten und Rennverläufe auf Strava

  • Die Hälfte der auf Strava erfassten Berlin-Marathon-Finisher lief eine persönliche Bestzeit. Bei den Frauen lag der Anteil bei 52 %, bei den Männern bei 49 %.
  • 27 % der Frauen liefen ihren ersten Marathon, bei den Männern waren es 21 %.
  • 34 % der Frauen erlebten einen Leistungseinbruch („Bonk“*), gegenüber 48 % der Männer.
  • 44% der Frauen haben bereits 3 Marathons gefinisht.
  • Die mediane Zielzeit lag bei Frauen bei 4:22:47 und bei Männern bei 3:49:47 Stunden.

Die Zahlen zeigen, dass ein Marathon nicht nur durch die finale Zielzeit erzählt wird. Entscheidend ist auch, wie das Rennen gelaufen wird und mit welchen eigenen Zielen man an die Startlinie geht.

Quelle: Strava-Auswertung der auf der Plattform erfassten Läufe beim Berlin-Marathon am 27. September 2026. Laut Strava haben 60 Prozent der Finisher ihren Marathon auf der Plattform hochgeladen.
*Als Leistungseinbruch erfasst Strava eine mindestens zehn Prozent langsamere Pace auf den letzten zehn Kilometern gegenüber den ersten 32 Kilometern.

Wie Strava die Laufcommunity verbindet

RUNTiMES: Wie setzt sich euer Run Club hinsichtlich Alter, Lauferfahrung und Frauenanteil zusammen?

Lisa Klein: Das ist natürlich immer ein bisschen tagesabhängig, aber in der Regel haben wir eine ziemlich ausgeglichene Verteilung von etwa 50/50. Die meisten Teilnehmenden sind zwischen 25 und 35 Jahre alt, wobei es auch immer wieder Ausnahmen gibt. Unser ältester Teilnehmer ist z.B. 55 Jahre alt.

Was die Lauferfahrung angeht, können die meisten problemlos 10 km am Stück laufen. Gerade im Sommer, wenn wir unseren Fokus verstärkt auf die Marathonvorbereitung legen, sind viele erfahrenere Läuferinnen dabei, die auch regelmäßig längere Distanzen zurücklegen.

Lisa Klein beim Berlin-Marathon mit Lauffreundin

Welche Rolle spielt Strava für die Läuferinnen in eurer Community?

Strava spielt für die Frauen in unserer Community eine ziemlich wichtige Rolle, genauso wie für den gesamten Run Club. Wir nutzen die Plattform vor allem, um unsere gemeinsamen Läufe anzukündigen und alle wichtigen Informationen zu teilen, von der Strecke über die Uhrzeit bis hin zum Treffpunkt. Gleichzeitig ist Strava für viele auch eine Möglichkeit, sich nach den Läufen miteinander zu connecten, gegenseitig zu motivieren und die sportliche Entwicklung der anderen mitzuverfolgen.

Strava für Läuferinnen und das eigene Tempo

Wie geht ihr im Club mit Läuferinnen um, die sich für ihr Tempo schämen (Pace-Scham)?

Grundsätzlich haben wir das Gefühl, dass die meisten bei uns recht selbstbewusst einschätzen können, ob sie die angekündigte Distanz im jeweiligen Tempo schaffen.

Sollte jemand unterwegs merken, dass das Tempo doch etwas zu schnell ist oder die Distanz zu lang wird, versuchen wir immer, gemeinsam eine Lösung zu finden.

Manchmal passen wir das Tempo der Gruppe etwas an, manchmal teilen wir unseren Standort, damit wir uns spätestens beim anschließenden Kaffee wieder alle zusammenfinden. Uns ist vor allem wichtig, dass sich niemand ausgeschlossen fühlt oder das Gefühl bekommt, nicht gut genug zu sein.

Gleichzeitig möchten wir die Menschen auch ermutigen, sich selbst mehr zuzutrauen, ihre eigenen Grenzen kennenzulernen und gemeinsam mit anderen über sich hinauszuwachsen.

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Was rätst du einer Läuferin, die sich durch die Leistungen anderer auf Strava unter Druck gesetzt fühlt?

Ich verstehe gut, woher dieses Gefühl kommt. Mein persönlicher Rat wäre, Strava so zu nutzen, wie es für einen selbst am besten funktioniert: den Fokus auf die eigene Entwicklung zu legen und sich daran zu erinnern, dass die Leistungen anderer nicht der eigene Maßstab sein müssen. Jeder Mensch bringt andere Voraussetzungen mit, hat unterschiedliche Ziele und befindet sich an einem anderen Punkt seiner sportlichen Entwicklung.

Auch Motivation kann für jeden Menschen etwas anderes bedeuten. Für manche geht es darum, sich selbst herauszufordern. Für andere stehen der Austausch mit Gleichgesinnten und die Freude an gemeinsamer Bewegung im Vordergrund.

Genau das erleben wir auch immer wieder in unserem Run Club. Einige kommen zu uns, um ihr Tempo zu verbessern oder sich auf einen Wettkampf vorzubereiten. Andere suchen vor allem eine unterstützende Community und Motivation, um aktiv zu bleiben.

Beides ist gleichermaßen wertvoll. Strava ist eine Plattform, die Menschen auf ihre ganz eigene Weise unterstützt, sie motiviert und miteinander verbindet.

Der erste Marathon zwischen Vorbereitung und Social Media

Woran erkennst du im Club, dass eine Läuferin für ihren ersten Marathon bereit ist?

Ich glaube, ein ganz wichtiger Faktor ist, dass die Person selbst das Gefühl hat, bereit zu sein, und dieses Vertrauen in die eigene Vorbereitung auch ausstrahlt.

Natürlich gehört dazu auch eine gewisse Lauferfahrung. Wer bereits mehrere längere Trainingsläufe absolviert hat und weiß, wie der eigene Körper auf längere Belastungen reagiert, kann meistens schon recht gut einschätzen, was ihn oder sie beim Marathon erwartet.

Letztendlich ist es für mich eine Kombination aus körperlicher Vorbereitung, ausreichend Training und mentaler Sicherheit. Denn die 42,195 Kilometer sind nicht nur körperlich, sondern auch mental eine große Herausforderung.

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Welche Rolle spielt der aktuelle Marathontrend bei der Entscheidung der Läuferinnen für die 42,195 Kilometer?

Ich glaube, Social Media spielt dabei mittlerweile eine ziemlich große Rolle. Gerade innerhalb der Running Bubble ist es fast schon normal geworden, sich irgendwann der Herausforderung eines Marathons zu stellen.

Allerdings finde ich es wichtig, das Ganze auch mal aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Wir bewegen uns in einer ziemlich spezifischen Bubble, in der viele Menschen regelmäßig laufen, für Wettkämpfe trainieren und sich intensiv mit dem Sport beschäftigen. Wenn ich mich dagegen mit Freundinnen unterhalte, die vielleicht 1 bis maximal 2x pro Woche laufen gehen und nicht so tief in dieser Running Bubble stecken, sind viele immer noch total fasziniert davon, dass Menschen freiwillig 42 km laufen.

Lisa Klein mit Medaille nach dem Berlin-Marathon

Man darf zudem nicht vergessen, dass wir auf Social Media nur das sehen, was geteilt wird. Und das sind häufig die großen Erfolge, Bestzeiten und Marathonläufe. Dadurch kann schnell der Eindruck entstehen, dass mittlerweile jeder einen Marathon läuft.

Ich glaube aber, dass das längst nicht der Realität entspricht und die große Mehrheit der Freizeitläuferinnen deutlich kürzere Distanzen zurücklegt.

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In der Strava-Auswertung wird bei Frauen seltener ein Leistungseinbruch erfasst als bei Männern. Welche Erfahrungen machst du in eurem Club mit der Renneinteilung von Läuferinnen?

Mein persönlicher Eindruck ist, dass viele Frauen etwas konservativer an ihre Rennen herangehen. Sie starten häufig mit einem realistischeren Tempo und lassen sich weniger dazu verleiten, direkt auf den ersten Kilometern zu schnell zu werden.

Natürlich lässt sich das nicht pauschalisieren, aber ich habe schon das Gefühl, dass viele Läuferinnen ihre eigene Leistungsfähigkeit ziemlich gut einschätzen und lieber kontrolliert starten, um hinten raus noch genügend Energie zu haben. Gerade bei längeren Distanzen wie einem Halbmarathon oder Marathon kann das ein großer Vorteil sein.

52 Prozent der erfassten Frauen liefen laut Strava eine Bestzeit. Welche persönlichen Erfolge von Läuferinnen bleiben bei einer solchen Auswertung unsichtbar?

Ich glaube, beim Laufen gibt es unglaublich viele persönliche Erfolge, die über eine persönliche Bestzeit hinausgehen. Eine persönliche Bestzeit ist zwar ein wichtiger Meilenstein, bildet aber nur einen Aspekt der sportlichen Entwicklung einer Läuferin ab.

Für manche ist es das Comeback nach einer Verletzung, für andere der Mut, sich für den ersten Wettkampf anzumelden. Auch die mentale Entwicklung, das wachsende Selbstvertrauen und neue Freundschaften sind unglaublich wertvoll.

Gerade in unserem Run Club erleben wir immer wieder, wie viel das Laufen nicht nur sportlich, sondern auch persönlich und sozial verändern kann. Und genau diese Erfolge sollten wir genauso feiern wie eine neue Bestzeit.

Vielen Dank für das Interview!

Mehr erfahren über Lisa Klein @runninglisamarie, Run-Club Leaderin bei blend kollektiv

 

„Leg für dich fest, woran du Fortschritt erkennen möchtest.“

 

Strava für Läuferinnen: Was deinen Fortschritt ausmacht

Für deinen nächsten Lauf kannst du aus dem Gespräch mit Lisa einen konkreten Gedanken mitnehmen: Lege für dich fest, woran du Fortschritt erkennen möchtest. Vielleicht ist es eine schnellere Zeit. Vielleicht läufst du nach einer Verletzung wieder regelmäßig, traust dich erstmals in eine Gruppe oder gehst mit mehr Selbstvertrauen an den Start.

Strava kann dir helfen, deine Entwicklung zu verfolgen und Menschen zu finden, die deine Freude am Laufen teilen. Welche Bedeutung eine geloggte Leistung für dich hat, hängt von deinen Voraussetzungen und deinem Ziel ab. Auch ein Lauf ohne Bestzeit kann deshalb ein persönlicher Erfolg sein.

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