Dolce Vita trifft Bestzeit – ein Marathon jenseits des perfekten Plans

Ein Erfahrungsbericht zum PEAK Lake Garda 42 Marathon vom 10.–12. April 2026 von Manuela Dietzinger @trail.icious

Wenn sich ein Marathon-Wochenende anfühlt wie ein Italien-Kurzurlaub mit leicht übertriebenem Bewegungsanteil, dann ist man ziemlich sicher am nördlichen Gardasee gelandet – dort, wo Sonne, Berge und dieses fast unwirklich blaue Wasser zusammenkommen und aus einem Rennen ein Erlebnis machen. Ein ganz besonderes Event, für das sich Mitte April Tausende Läuferinnen und Läufer aus 73 Nationen angemeldet haben und das bereits vor Weihnachten ausverkauft war.

Lake Garda 42 Marathon @Harald Wisthaler

Foto: @HaraldWisthaler

Lake Garda 42 Manuela Dietzinger

@ LakeGarda42

Und mittendrin ich: Mit einem Plan, der eher … naja, flexibel war.

Dabei ist der PEAK Lake Garda 42 Marathon längst mehr als nur ein Lauf und unter dem Motto „PURE RUNNING“ ein ganzes Running-Festival, das sich über mehrere Tage zieht und mit Side-Events, Expo und Community-Runs schon vor dem eigentlichen Rennsonntag beginnt.

Mit rund 5.000 Teilnehmenden auf den beiden Distanzen und einem Frauenanteil von über 50 % beim Marathon mit Start in Limone und 60 % beim Halbmarathon mit Start in Arco. Der gemeinsame Zieleinlauf in Malcesine zeigt ziemlich gut, welche Dimension dieses Event in seiner 5. Ausgabe mittlerweile hat. (Mehr erfahren auf lakegarda42.com)

Mein persönliches Wochenende beginnt ebenfalls am Freitag, allerdings deutlich weniger strukturiert.

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Oxyburn Race im Rahmen des Peak Lake Garda 42

@HaraldWisthaler

Nach über vier Stunden Autofahrt aus Bayern komme ich am Freitag in Malcesine (Provinz Verona) bei Sonnenschein und traumhaftem Blick auf den See an. Und während man vielleicht erwarten könnte, dass ich erst mal richtig ankomme und die Beine entspanne, gehe ich stattdessen direkt laufen – zum Oxyburn Community Trail Run mit Aperitivo und lokalem Bier im Anschluss.

Was als lockerer Einstieg hätte durchgehen können, wird mit Startschuss, Start- und Zielbogen ziemlich schnell zu einem ambitionierten Trailrun. Ein 10-km-Rundkurs mit 550 Höhenmetern in Richtung Monte Baldo, bei dem ich mich komplett von der Aussicht, der Stimmung und natürlich den Mitbewerbern mitreißen lasse – und am Ende tatsächlich auf Platz drei lande.

In dem Moment fühlt sich das großartig an, zwei Tage später würde ich diese Entscheidung vermutlich nicht mehr ganz so euphorisch bewerten.

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Am Abend sitze ich ganz entspannt mit Giuseppe und Carlo bei Seafood-Pasta mit Blick auf den See, und alles fühlt sich wieder genau richtig an – bis am nächsten Morgen mein Körper beschließt, mich daran zu erinnern, dass ich es vielleicht ein kleines bisschen übertrieben habe. Muskelkater. So richtig. Habe ich dank Recovery-Tricks eigentlich nie, aber natürlich dann, wenn ich ihn am wenigsten brauche.

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@ManuelaDietzinger

Ich verbringe den Tag damit, mich möglichst wenig zu bewegen, meine Beine zu schonen und ganz easy in Arco (Provinz Trentino) meine Startunterlagen abzuholen. Dort liefert die Expo mit Ausstellern wie PEAK Sport, Ethic Sport, Oxyburn, Compex und vielen mehr in entspannter Stimmung, mit kostenlosen Massagen und natürlich viel Gelato in meiner Lieblingseisdiele „Gelato Mio“ genau das, was ein Läuferherz gerade braucht.

Parallel stand am Samstag in Limone der Peak Morning Run auf dem Programm. Da die Beine vor einem Marathon bekanntlich nicht alles ertragen können, musste ich dieses überaus sonnige Erlebnis leider skippen. Aber das atemberaubende Panorama, wenn auch nicht ganz so sonnig, werde ich beim Start des Marathons am nächsten Tag genießen können.

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@ManuelaDietzinger

Den Abend verbringe ich mit Patrizia Pederzolli vom Veranstalter Communico Italia und geladenen Gästen aus Athleten, Veranstaltern und Medien gemeinsam auf der Terrasse des Restaurants „Dal Bigaröla“ in Limone (Provinz Brescia). Essen mit Seeblick, Sonnenuntergang – diese typische Gardasee-Magie, die einen kurz vergessen lässt, dass man am nächsten Morgen 42,2 Kilometer laufen wird.

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@LakeGarda42

Mein Rennen beim Lake Garda 42 Marathon: Zwischen Euphorie und Muskelkater

Dann ist Race-Day – Sonntag, 12. April 2026.

Der Wecker klingelt um 5:50 Uhr, und auch wenn ich kurz überlege, warum ich eigentlich einen Straßenmarathon laufe anstatt eines Ultratrails, sitze ich wenig später beim Frühstück und mache mich anschließend auf den Weg zur Fähre. Um 7:15 Uhr geht es von Malcesine nach Limone – eine 35-minütige Überfahrt mit der Fähre, die sich eher wie Urlaub anfühlt als eine unmittelbare Wettkampfvorbereitung. Im Hafen von Limone angekommen, füllt sich der Startbereich nahe der Anlegestelle mit immer mehr Läuferinnen und Läufern.

Fährfahrt von Malcesine nach Limone

@ManuelaDietzinger

Hier stehe ich schließlich mit rund 2.500 anderen Marathonstartenden und Blick auf See und Berge. Der Startschuss fällt – und plötzlich ist alles da: Fokus, Energie, Runners High.

Warum der PEAK Lake Garda 42 Marathon zu den schönsten Europas zählt

Die Strecke zählt zu den Erlebnissen, die keiner Überhöhung bedürfen – sie überzeugt ganz aus sich heraus: 42,2 Kilometer entlang des Nordufers, von Limone über Riva del Garda und Arco bis nach Malcesine, mit dem Gardasee fast durchgehend auf der rechten Seite und einer Mischung aus Promenaden, kleinen Gassen und Naturabschnitten. Die Stimmung pendelt zwischen „wow“ und „okay, konzentrier dich wieder“.

PEAK Lake Garda 42 Marathonstart

@ManuelaDietzinger

Die ersten Kilometer laufen sich fast zu leicht, was wahrscheinlich an einer Mischung aus Rückenwind, perfekten 17 Grad, einer motivierenden Marathonplaylist und dieser unwirklichen Kulisse liegt, die eher nach Postkarte aussieht als nach Marathonstrecke.

Spätestens ab Arco, etwa bei der Halbzeit, wird es dann realistischer, denn die insgesamt 180 Höhenmeter machen sich bemerkbar – und meine Beine erinnern sich auch wieder sehr an den Trailrun vom Freitag.

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@LakeGarda42

Trotzdem trägt mich die Stimmung weiter – vorbei an jubelnden Zuschauern, durch enge Gassen, entlang des Sees, und irgendwo zwischen Anstrengung und Euphorie muss ich plötzlich grinsen, weil mir dieses Wort „Leidenschaft“ in den Kopf kommt – und wie passend es eigentlich ist, dass es aus Leiden und Schaffen besteht, denn genau das passiert hier gerade gleichzeitig.

Auf den letzten Kilometern ab Torbole drehen sich die Gedanken um „läuft noch“, „hab’ ich noch ein Gel?“ und „wie weit kann ein Kilometer eigentlich sein“, während ich zwischendurch weiterhin Fotos mache, Videos aufnehme (über 120 an der Zahl) und mir denke: Wie atemberaubend kann eine Marathonstrecke eigentlich sein?

Peak Lake Garda 42 Manuela Dietzinger

@LakeGarda42

Der See bleibt fast durchgehend auf meiner rechten Seite, als würde er mich begleiten. Dann taucht Malcesine auf. Zähne zusammenbeißen. Verdammt – Zielgerade mit Höhenmetern!

Carlo und Giuseppe vom Veranstalter Communico empfangen mich herzlich im Ziel. Als ich meine Uhr stoppe und 3:20 Stunden sehe, brauche ich einen Moment, um zu realisieren, dass das gerade wirklich passiert ist.

Persönliche Bestzeit:
Platz 13 von rund 1.000 Frauen
Platz 7 in der sportlichen Wertung

Und das mit einer Vorbereitung, die man wahrscheinlich in keinem Trainingsplan dieser Welt empfehlen würde. Sorry @Hahnertwins Coaching – das mit dem Race war nicht geplant.

Ganz vorne im Rennen setzen sich an diesem Tag
• Sofia Toniolo (3:00:18 h) und Matteo Vecchietti (2:36:20 h) im Marathon sowie
• Alessia Scaini (1:19:14 h) und Jose Renato Silva Dos Santos (1:13:49 h) im Halbmarathon durch.

Und ich stehe im Ziel und denke mir eigentlich nur: Wie „fantastico“ war das bitte? NOCH EINMAL!!

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@LakeGarda42

Vielleicht ist genau das die Essenz dieses Wochenendes: Nicht immer entscheidet der perfekte Plan, sondern manchmal genau diese Mischung aus Spaß, Gefühl, ein bisschen oder bei mir „a bissal mehr Chaos“ und ganz viel Genuss.

Oder einfacher gesagt: Der Gardasee, tatsächlich seit vielen Jahren meine zweite Heimat, hat mich wieder mal nicht enttäuscht. Der Lago mit seinem Dolce Vita aus Gelato, Pizza und „Emotione“ macht halt sein eigenes Ding – und zieht dich einfach mit.

Zur Recovery ging es nach dem Lauf mit der Münchner Running Community nach Malcesine zum Pizza-Selbstbelegen ins Ristorante „da Gigi“ und am Tag darauf zum Auslaufen knapp 23 km und 800 Höhenmeter von Riva via meiner geliebten „Sentiero del Ponale“ hoch zum wundervollen Lago di Ledro. (Beides ultimative Tipps! Mehr Infos auf gardatrentino.it)

Und eines ist sicher: Ich komme schon nächstes Jahr zurück. Und dann will ich sehen, was noch möglich ist.

Mehr erfahren: lakegarda42.com

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