Wenn der Kopf siegt und die Beine längst verloren haben
mozart 100 by UTMB am 23. Mai 2026: 116,6 Kilometer, 5.700 Höhenmeter und ein Kampf gegen den eigenen Körper
Bei Kilometer 78 war ich mir sicher, dass mein Rennen vorbei ist. Die Energiespeicher waren leer, die Beine hatten längst die Zusammenarbeit gekündigt und die Vorstellung, nachts weitere fast 40 Kilometer bis zum Finish am Fuschlsee zu laufen, erschien vollkommen absurd. Knapp 15 Stunden später stand ich trotzdem im Ziel des Mozart 100 – als letzte Frau des Rennens, als letzter Finisher überhaupt und acht Minuten vor dem letzten Cut-off. Wie es dazu kam, lässt sich vermutlich nur mit einer Mischung aus Sturheit, Unterstützung vom besten Mann der Welt und dem erklären, was Ultraläufer gerne als „Mental Strength“ bezeichnen.
Foto: Sportograf | mozart 100 by UTMB, Manuela Dietzinger auf der 116,6 Kilometer Distanz mit 5.700 Höhenmetern
Im Herzen des Salzkammerguts
Der mozart 100 by UTMB® ging 2026 bereits in seine 14. Runde und feierte dabei eine Premiere: Erstmals befanden sich Start und Ziel direkt am Fuschlsee. Nach vielen Jahren mit Start des Events im Zentrum von Salzburg zog das Event damit mitten ins Herz des Salzkammerguts – und ehrlich gesagt hätte man sich für ein Trailrunning-Rennen kaum eine schönere Kulisse aussuchen können. Das konnten auch die Verkaufszahlen des Events bestätigen, denn es war mit über 3000 Teilnehmer und über 70 Nationen bereits Monate im Voraus ausverkauft.
Mit Distanzen von 12 bis 120 Kilometern bietet der mozart 100 by UTMB® für nahezu jeden Trailrunner die passende Herausforderung. Die verschiedenen Strecken führen durch eine der schönsten Regionen Österreichs und verbinden die gesamte Fuschlsee- und Wolfgangsee-Region: von St. Wolfgang über Strobl, St. Gilgen, Fuschl am See, Faistenau, Hof und Koppl bis hin zum Gaisberg.
Foto: Manuela Dietzinger
Hier verbinden sich glasklare Seen, aussichtsreiche Almen, idyllische Waldwege und markante Gipfel zu einer echten Trailrunning-Reise durch das Salzkammergut. Dabei geht es nicht nur um Höhenmeter und Kilometer, sondern auch darum, eine Landschaft zu erleben, die von Natur, Kultur und einer ganz besonderen Atmosphäre geprägt ist.
Genau diese Mischung aus sportlicher Herausforderung, beeindruckender Bergkulisse und der einzigartigen Stimmung rund um den Fuschlsee war es auch, die mich in diesem Jahr an die Startlinie des mozart 100 gelockt hat. Schließlich gibt es deutlich schlechtere Möglichkeiten, einen Samstag zu verbringen, als knapp 120 Kilometer durch eine der schönsten Trailrunning-Regionen Österreichs zu laufen.
Und wer mich kennt, weiß, dass für mich zu einem Race mehr gehört als nur die Strecke: die Stimmung, die Community und die Destination rundherum machen das Erlebnis erst komplett.
Zwischen Postkartenidylle und Vorstart-Nervosität
Bereits die Tage vor dem Rennen machten deutlich, warum die Fuschlseeregion für viele Outdoor-Sportler, egal ob zum Wandern, zum Traillaufen, Klettern, Mountainbiken und sogar für Rennradler und Triathleten ein Sehnsuchtsort ist. Bei einem lockeren Shakeout-Run entlang des Fuschlsees präsentierte sich die Region von ihrer besten Seite: tiefblaues Wasser, sattgrüne Wiesen, schneebedeckte Gipfel in der Ferne und eine Ruhe, die man im Alltag oft vermisst. Es war einer dieser Momente, in denen man sich fragt, warum man nicht einfach hierherzieht und für immer entspannt.
Stattdessen stand ich kurz davor, freiwillig 120 Kilometer und 5.700 Höhenmeter zu laufen.
Untergebracht war ich im Arabella Jagdhof Resort direkt am Fuschlsee. Bei strahlendem Sonnenschein und Temperaturen jenseits der 25 Grad fühlten sich die letzten Stunden vor dem Rennen eher nach Sommerurlaub als nach Wettkampfvorbereitung an. Ganz nach dem Motto des Hauses „Auf der Jagd nach Erholung“ hätte man es sich problemlos auf einer der Liegen am See gemütlich machen können.
Doch stattdessen stand das übliche Ultra-Vorprogramm auf dem Plan: Startunterlagen direkt am Seebad von Fuschl abholen, meinen geplanten Laufpartner Tim treffen, zurück ins Hotel, (Pflicht-)Ausrüstung packen und kontrollieren, über 50 Gels sowie jede Menge Snacks auf verschiedene Dropbags für meinen Supporter und Ehemann Sven verteilen, Wetterbericht und Streckenprofil zum gefühlt zehnten Mal studieren und dabei versuchen, die langsam aufkommende Nervosität zu ignorieren.
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Dazu kamen die klassischen Rituale vor einem Ultra: entspannen, möglichst früh zu Abend essen, ausreichend trinken und sich bestenfalls schon vor 20 Uhr ins Bett legen – auch wenn an Schlaf in der Nacht vor einem Rennen selten zu denken ist. Schließlich sollte der Wecker bereits um 3 Uhr klingeln, bevor es um 5 Uhr morgens auf meine lange Reise durch das Salzkammergut gehen würde.
Trotz aller Erfahrung kommt irgendwann immer dieser Moment, meist, dann wenn man natürlich bis 24:00 Uhr NICHT einschlafen kann, ob das Ganze eine gute Idee war.
So a schmarrn! Natürlich war das eine gute Idee – ich habe mich riesig auf das Abenteuer und das „Wohlfühlbubble zerstechen“ gefreut!
Wie groß diese Bubble eigentlich war, wusste ich zu dem Zeitpunkt natürlich noch nicht!
Um fünf Uhr früh – noch immer Spaß?
Die Realität am nächsten Morgen holte mich dann schneller ein, als mir lieb war. Das Aufstehen um 3:00 Uhr fühlte sich alles andere als verlockend an – besonders dann, wenn man um 4:30 Uhr kurz vor dem Start noch hektisch auf der Suche nach seinen Laufschuhen ist. Spätestens in diesem Moment war der entspannte Urlaubsmodus vom Vortag endgültig vorbei.
Doch als um fünf Uhr morgens der Startschuss fiel, waren sämtliche negativen Gedanken schlagartig verschwunden. Die Atmosphäre am Fuschlsee war elektrisierend. Insgesamt 545 Läuferinnen und Läufer machten sich zeitgleich vom Seebad im Zentrum von Fuschl auf den Weg Richtung Abersee, Strobl und weiter zum Schafberg – begleitet von der Vorfreude auf einen langen Tag in den Bergen.
Besonders freute ich mich darauf, diesen Tag gemeinsam mit meinem Freund Tim zu erleben. Zumindest war das der Plan.
Foto: Manuela Dietzinger
Die ersten Kilometer vergingen wie im Flug. Allerdings stellte sich schon bald heraus, dass unsere jeweilige Wohlfühlpace vielleicht doch nicht ganz dieselbe war. Oder anders gesagt: Die Manu hatte mal wieder Hummeln im Hintern und musste ein „wenig vorlaufen“. Tief im Inneren wusste ich zwar, dass das vermutlich keine besonders kluge Idee war und Tim mich früher oder später ohnehin wieder einsammeln würde, aber Vernunft und Rennstart sind bekanntlich nicht immer beste Freunde.
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Die Stunden vergingen zunächst nahezu mühelos. Die Temperaturen waren (noch) angenehm, die Beine fühlten sich frisch an und die Strecke präsentierte sich von ihrer schönsten Seite. Immer wieder öffneten sich spektakuläre Ausblicke auf die Seenlandschaft des Salzkammerguts. Die aufgehende Sonne tauchte Gipfel und Wälder in warmes Licht und ließ für einen Moment vergessen, dass der eigentliche Tag gerade erst begonnen hatte.
Foto: mozart 100 by UTMB | Sportograf
In diesen frühen Rennstunden fühlt sich ein Ultra oft erstaunlich leicht an. Die Beine laufen wie von selbst, die Stimmung an den zahlreichen Verpflegungsstationen ist ausgelassen und die gewaltige Distanz wirkt noch angenehm abstrakt. Dank der
Mentalstrategie aus dem @Hahnertwins Coaching hatte ich die 120 Kilometer ohnehin längst nicht mehr als Ganzes im Kopf, sondern in viele kleine, gut verdauliche locker-leichte Etappen – oder besser gesagt: in zahlreiche leckere Pizzastücke aufgeteilt.
Am Anfang „ois easy“ bis mein größter Gegner ohne Startnummer auftaucht
Während viele Läufer vor allem mit der Distanz, den Höhenmetern oder technischen Trails kämpfen, liegt meine größte Schwäche – schon immer – an einer ganz anderen Stelle.
Es ist die Verpflegung. Genauer gesagt meine nicht vorhandene Fähigkeit, über viele Stunden hinweg ausreichend Energie aufzunehmen.
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Was in meinem allgemeinen Alltag ganz easy als „Snacksercising“ durchgeht und ich theoretisch genau weiß, wie wichtig eine konsequente Kohlenhydratzufuhr bei einem Ultratrail ist, entwickelt mein Magen praktisch nach einigen Stunden eine tiefe persönliche Abneigung gegen alles, was nach Gel, Sirup oder einfach nur Künstlichem schmeckt.
Nach dem sechsten Gel mag ich definitiv lieber an einer Zirbe lecken.
Doch genau hier begann sich die Rechnung für den ambitionierten Rennstart langsam bemerkbar zu machen. Nach dem landschaftlich beeindruckenden, aber auch technisch anspruchsvollen und kräftezehrenden Aufstieg auf den Schafberg leerten sich die
Energiespeicher zunehmend. Spätestens ab St. Gilgen am Wolfgangsee, bei Kilometer 44, wurden die Beine spürbar schwerer.
Dabei hatte der Schafberg mit seinem steilen Aufstieg selbst noch einmal für einen echten Motivationsschub gesorgt. Oben am Gipfel herrschte großartige Stimmung. Zahlreiche Zuschauer feuerten die Läuferinnen und Läufer lautstark an und sorgten für Gänsehautmomente, die einen die Anstrengungen des Anstiegs fast vergessen ließen.
Foto: Manuela Dietzinger
Tatsächlich war dies der Höhepunkt für die Teilnehmer der Königsdisziplin mozart 100 – der steile Anstieg von St. Wolfgang über die Nordseite des Schafbergs bis zur Himmelspforte.In St. Gilgen wartete dann bereits die erste große Verpflegungsstation – inklusive Personal Support durch meinen Ehemann Sven. Jetzt hieß es: essen, trinken, Elektrolyte auffüllen, kurz durchschnaufen und die Akkus wieder aufladen. Bei inzwischen deutlich über 25 Grad war außerdem Zeit für ein frisches Shirt.
Eigentlich hatte ich geplant, hier auf Tim zu warten. Nach kurzem Überlegen entschied ich mich jedoch, erst einmal alleine weiterzulaufen. Denn mit dem Zwölferhorn wartete bereits der nächste große Anstieg – größtenteils ohne Schatten und bei mittlerweile hochsommerlichen Temperaturen. Ein Vorgeschmack auf das, was an diesem Tag noch kommen sollte.
Beine tot – Mental Strength Mode aktiviert
So schnell kann es gehen: Aus einem kontrollierten Rennen wurde langsam aber sicher ein Kampf gegen die eigenen Reserven. Irgendetwas stimmte nicht. Egal, was ich aß, die Energie schien einfach nicht dort anzukommen, wo sie gebraucht wurde. Die Beine wurden schwerer und die Anstiege länger.
Also hieß es, sich selbst ein wenig zu überlisten: „Egal, sind ja nur noch 74 Kilometer!“ Endspurt sozusagen. Mit dieser Logik kämpfte ich mich Meter für Meter auf das Zwölferhorn hinauf. Oben angekommen entschädigten die grandiose Aussicht und der folgende Downhill zumindest kurz für die Strapazen.
An der Verpflegungsstation auf der Illingeralm hätte ich mich am liebsten zu ein paar anderen Läufern in den Schatten gelegt. Doch die Cut-offs waren alles andere als großzügig und meine Beine würden davon auch nicht besser werden. Also hieß es: essen, trinken, auffüllen und weiterlaufen.
Foto: Manuela Dietzinger
Auf der Schafbachalm bei Kilometer 65 fand ich dann überraschend meine Lieblingsverpflegung des Tages: Brote mit Thunfischaufstrich. Während Gels und süße Snacks so gar nicht mehr gingen, funktionierten diese erstaunlich gut. Noch 13 Kilometer bis Faistenau. Den dortigen Cut-off um 20 Uhr hatte ich zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht wirklich auf dem Schirm, da ich mich zeitlich eigentlich noch ganz gut unterwegs fühlte.
Was ich allerdings von Anfang an wusste: Tim würde mich früher oder später wieder einholen. Und genau so kam es. Irgendwo vor Faistenau tauchte er hinter mir auf. Was für eine Erleichterung! Während ich zunehmend lustloser wurde, wirkte er noch erstaunlich frisch und zog mich mit seiner positiven Art fast bis zum Etappenziel bei Kilometer 78. Kurz vor Faistenau schien er dann noch einmal einen zusätzlichen Gang gefunden zu haben. Also ließ ich ihn ziehen – schließlich war unser Treffpunkt ohnehin in Faistenau vereinbart.
Fotos: Manuela Dietzinger
Kilometer 78: DNF!?
Faistenau. Kilometer 78. 45 Minuten vor dem Cut-Off.
Dies war der entscheidende Moment des gesamten Rennens.
Während die Zuschauer vermutlich nur eine erschöpfte und Läuferin sahen, die kurz auf der Bierbank verschnaufte, hatte ich innerlich bereits abgeschlossen. Die Energiespeicher waren leer, die Muskulatur wollte auch nicht mehr und die Vorstellung, weitere fast 40 Kilometer zurück nach Fuschl zu laufen, erschien vollkommen unrealistisch.
Jeder Ultraläufer kennt diese Momente. Man beginnt zu rechnen, sucht nach Gründen weiterzumachen und findet stattdessen eine ganze Liste hervorragender Argumente dafür, warum ein Ausstieg die vernünftigere Entscheidung wäre.
DNF klang plötzlich ausgesprochen attraktiv.
Nach vielen Stunden auf den Beinen und deutlich zu wenig Kalorienzufuhr fühlte sich das Rennen nicht mehr wie ein sportlicher Wettkampf an, sondern eher wie ein sehr schlechter Verhandlungspartner, der ständig neue Forderungen stellte. Und was sollte ich meiner Community sagen?
Chapeau an die Supporter
Glücklicherweise waren mein Mann, Tim und sein Support-Team anderer Meinung.
Während ich mich innerlich – und mit ein bisschen „Pipi“ in den Augen – bereits vom Rennen verabschiedet hatte, hörten sie sich geduldig mein Gejammer an. Sven organisierte für mich die vermutlich beste Pizza Hawaii meines Lebens, und als Tim schließlich motiviert alleine weiterlief, beschloss ich, es zumindest noch einmal zu versuchen.
Nicht, um eine Bestzeit aufzustellen. Nicht, um noch Plätze gutzumachen. Sondern erst einmal mit einem ganz bescheidenen Ziel: den Cut-off am Gaisberg um 23:00 Uhr zu schaffen. Und wenn wir schon dabei sind, wollte ich zumindest meinen guten Freund Stefan kilometermäßig beim mozart 100 überbieten. 😜
Foto: Manuela Dietzinger
Mit frischem Outfit, aufgefüllten Speicherreserven und einem kleinen Funken Motivation ging es also zurück auf die Strecke.
Rückblickend bin ich unglaublich dankbar für diese Unterstützung. Denn manchmal braucht es bei einem Ultra genau solche Menschen: Menschen, die an dich glauben, wenn du selbst gerade Schwierigkeiten hast, das zu tun.
Von Cut-off zu Cut-off
Ab diesem Zeitpunkt änderte sich mein Rennen komplett. Es ging nicht mehr um Zeiten oder Platzierungen, sondern nur noch darum, innerhalb der Cut-off-Zeiten zu bleiben und irgendwie die Ziellinie zu erreichen.
Der mozart 100 zeigte sich in diesem Jahr von seiner harten Seite: Rund 40 Prozent aller Starterinnen und Starter erreichten das Ziel aufgrund der harten Cut-Offs und der hohen Temperaturen nicht. Auch für mich wurde die Luft zunehmend dünner. An jeder Verpflegungsstation begann das Rechnen von Neuem – bis ich irgendwann damit aufhörte. Das Rennen reduzierte sich auf seine einfachste Form: einen Schritt nach dem anderen.
Die letzten Stunden des Rennens – von Faistenau über den Gaisberg, Strobl, Koppl und Hof zurück zum Seebad – verschwimmen rückblickend zu einem einzigen langen Film aus Dunkelheit, Hirnstirnlicht, Besenwagen-Motivationssprüchen und einer ordentlichen Portion Sturheit. Körperlich war längst nichts mehr übrig von der Leichtigkeit der ersten Rennstunden. Doch je weniger der Körper mitspielen wollte, desto stärker wurde der Wille, trotzdem weiterzumachen.
Am Ende übernahm der Kopf. Nicht spektakulär, nicht heldenhaft – sondern einfach Schritt für Schritt Richtung Ziel.
Erste – von hinten
Als die Lichter von Fuschl schließlich wieder auftauchten, wurde nach vielen Stunden auf den Trails zum ersten Mal klar: Das Ziel würde ich tatsächlich noch erreichen.
Nach 22 Stunden und 52 Minuten überquerte ich die Ziellinie. Als letzte Frau des Rennens. Als letzter Finisher überhaupt. Acht Minuten vor dem letzten Cut-off.
Klar, vor dem Start hätte ich mir einen anderen Rennverlauf gewünscht. Ich wäre gerne schneller gewesen, hätte gerne weniger gelitten und vermutlich auch ein etwas fotogeneres Finisher-Bild mit nach Hause genommen. Aber manchmal schreibt ein Rennen eben seine ganz eigene Geschichte.
Und rückblickend gehört genau dieser Zieleinlauf zu denjenigen, auf die ich am stolzesten bin.
Nicht, weil alles perfekt lief. Ganz im Gegenteil.
Sondern weil ich unterwegs mehr als einmal ans Aufhören gedacht habe. Weil ich Stunden damit verbracht habe, von Verpflegungsstation zu Verpflegungsstation zu laufen. Weil ich irgendwann aufgehört habe, auf Pace, Platzierung oder Zielzeit zu schauen und stattdessen einfach nur noch das nächste Stück Trail in Angriff genommen habe.
Dieser Lauf war kein Rennen für die Ergebnisliste. Er war eine Lektion in Demut, Geduld und Sturheit. Und manchmal fühlt sich ein Platz ganz hinten eben deutlich größer an als einer weiter vorne.
Foto: mozart 100 by UTMB | Sportograf – Zieleinlauf Manuela nach 22:52 Stunden
Regeneration mit Seeblick
Nach dem Rennen hätte ich mir kaum einen besseren Ort zum Regenerieren wünschen können als die Fuschlseeregion und den Jagdhof am Fuschlsee.
Während die Beine noch versuchten zu verarbeiten, was in den vergangenen knapp 23 Stunden eigentlich passiert war, wartete dort genau das, was man nach einem Ultra am meisten schätzt: Ruhe, Erholung und richtig gutes Essen. Vom Pool und den großzügigen Liegeflächen genießt man einen traumhaften Blick auf den Fuschlsee, der private Liegestrand lädt zum Abschalten ein und selbst das Dehnen fällt im Yoga-Bereich mit Seeblick gleich ein bisschen leichter.
Auch der Spa-Bereich mit Sauna und Indoorpool ließ keine Wünsche offen. Dazu kommen großzügige Zimmer, ein hervorragendes Frühstück und eine Kulinarik, die weit über das hinausgeht, was man nach einem Wettkampf normalerweise erwartet.
Wer nach dem mozart 100 noch nicht genug von der Region hat, kann direkt am Hotel E-Bikes oder SUPs ausleihen und die Gegend entspannt auf dem Wasser mit dem Zillenseeboot der „Fischlerin“ oder auf zwei Rädern erkunden.
Foto: Manuela Dietzinger
Direkt ums Eck findet ihr nicht nur das bekannte Sissi Schloss, zahlreiche schöne Badebuchten, den bekannten Seerundweg sondern auch die Schlossfischerei , die nicht nur einen sagenhaften Ausblick auf den See, sondern auch leckere frisch geräuchertes Fischallerlei zu bieten hat.
Kurz gesagt: Der Jagdhof war für mich der perfekte Ort, um vor dem Rennen noch einmal Energie zu sammeln und danach die Strapazen von fast 23 Stunden auf den Trails hinter mir zu lassen. Besser hätte der Rahmen für dieses Wochenende kaum sein können.
Mehr erfahren: Salzkammergut Fuschlseeregion
Fotos: Manuela Dietzinger
Was vom Mozart 100 bleibt
Der mozart 100 hat mir einmal mehr gezeigt, dass die ganz langen Distanzen vermutlich nicht unbedingt meine größte Stärke sind. Nicht wegen der Berge, nicht wegen der Höhenmeter und auch nicht wegen der Trails.
Sondern weil ich offenbar selbst nach vielen Jahren im Ultrarunning noch immer zu wenig esse und Gels nach wie vor scheußlich finde. Daran werde ich wohl arbeiten müssen.
Vielleicht. Wenn ich will. 😉
Was aber definitiv bleibt, sind die Erinnerungen an ein außergewöhnliches Wochenende im Salzkammergut: an traumhafte Trails zwischen Bergen und Seen, an Sonnenaufgänge über den Gipfeln, an die vielen freundlichen Menschen entlang der Strecke, an die großartige Organisation und an die Unterstützung von Freunden, Familie und Helfern, die solche Abenteuer überhaupt erst möglich machen.
Vor allem aber bleibt die Erkenntnis, dass der Kopf manchmal deutlich stärker sein kann als die Beine. Selbst dann, wenn diese längst beschlossen haben, Feierabend zu machen.
Und deshalb steht eines bereits heute fest: 2027 komme ich wieder.
Foto: Michael Grossinger | Zillenschifffahrt Fuschlseeregion
Ob noch einmal die längste Distanz laufe oder vielleicht auf eine Strecke gehe, die mein Körper als eine etwas vernünftigere Idee einstufen würde, lasse ich heute noch offen. Nach diesem Rennen tendieren die Beine aktuell jedenfalls eher zur kürzeren Variante.
Mein Herz hat die Entscheidung dagegen längst getroffen.
Die Fuschlseeregion, der Jagdhof und der mozart 100 werden mich wiedersehen.
Versprochen.
Text: Manuela Dietzinger
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