villnöss traumhafte landschaft
auf dem weg zum start bei st. magdalena
andries lotte markus und ich vorm start
am anfang geht es lange bergauf beim villnöss dolomiten run
villnöss run tabitha und markus im ziel

Der Villnöss Dolomiten Run 2021: eine traumhafte Premiere

22 Kilometer Laufgenuss vom malerischen St. Magdalena in die Altstadt von Brixen

Südtirol ist ein Ort, an dem die Zeit still stehen bleibt und wo es laut dem Extrembergsteiger Reinhold Messner mit den Dolomiten „die schönsten Berge der Welt gibt“. Schon bei der Fahrt nach Brixen entfalten die Hügel, Berge, kleine Burgen und Kirchen ihre faszinierende und beruhigende Wirkung und gleichzeitig ein leichtes Kribbeln in den Füßen:

Wir werden in den nächsten beiden Tagen gleich an zwei Rennen starten. Und es erwartet uns eine Premiere: der Villnöss Dolomiten Run mit 22 Kilometern findet zum allerersten Mal statt und verspricht ein tolles Lauf-Panorama mit einer ordentlichen Portion Höhenmeter.

villnösstalLauffieber in Brixen

Am Abend vor dem Lauf kommen wir in Brixen an. Die Altstadt ist ein zauberhafter Ort mit mediterranem Charme, der uns sofort in den Bann zieht. Wir schlendern durch die Gassen, holen am Domplatz unsere Startunterlagen ab und sehen den Teilnehmerinnen des Frauenlaufs (4,2195km durch die Brixner Altstadt) zu, wie sie sich aufwärmen und endlich wieder auf ein Laufevent freuen. Die Stimmung unter den Frauen ist ausgelassen, das Wetter perfekt und der Start- und Zielbereich sehr einladend.

„Leider hatten wir für den Frauenlauf sehr viel weniger Anmeldungen als beim letzten Event, die Menschen haben doch noch Bedenken und Angst wegen der Corona-Pandemie“, erzählt uns eine der Organisatorinnen. Doch man will sich nicht unterkriegen lassen und Zeichen geben, dass es weitergeht. „Bemerkenswert ist, dass wir beim Ultra-Lauf mehr Teilnehmer haben als je zuvor!“ Ich muss schmunzeln, die Ultraläufer als Gewinner der Krise – das passt doch.

Als wir später einen Blick in den Startbeutel werfen, staunen wir nicht schlecht: neben der Startnummer finden wir Riegel, Gel, Waffeln, Nudeln, Joghurtdrink, Mini-Schüttelbrot, ein Apfel und eine Trinkflasche.

Brixen – die älteste Stadt Tirols

Brixen ist die drittgrößte Stadt Südtirols und liegt im Eisacktal – etwa 40 Kilometer nordöstlich von Bozen und 45 Kilometer südlich vom Brennerpass. Sie ist die älteste Stadt Tirols und vereint verschiedene Lebensstile, Genuss und Erlebnis, Kultur und Sport. Hier spricht man gleich drei Sprachen: Italienisch, deutsch und ladinisch. Zudem ist Brixen umgeben von Bergen: den Sarntaler Alpen, den Zillertaler Alpen und einer Untergruppe der Dolomiten (den Lüsner Bergen), aber auch von Weinanbau, Naturschutzgebieten und kleinen romantischen Dörfern.

am anfang geht es lange bergauf beim villnöss dolomiten runBrixen gehört für mich auf jeden Fall zu den Orten Südtirols, die man besucht haben muss. In der historischen Altstadt befindet sich neben dem imposanten Brixner Dom auch andere schöne Bauwerke wie die Frauenkirche, die Johanneskapelle, die Hofburg und einige Klöster. Die vielen gemütlichen Gassen, die lebendige Innenstadt und eine Flusspromenade laden zum Verweilen und Flanieren ein. Wir essen direkt am Domplatz eine leckere Pizza und spazieren am Abend vorbei an den Schaufenstern der kleinen urigen Läden, Schuhmacher und Weinstuben, am Fluss entlang durch die Altstadt bis zu unserem kleinen Hotel.

Der Inhaber Theodor sitzt mit Kindern vor dem Eingang und scherzt. Als wir uns nähern, fragt er uns, wie es uns geht, ob wir gut gegessen haben und was mir morgen vorhaben. Wir erzählen, dass wir am kommenden Tag früh raus müssen, um bei der Premiere des Villnöss Dolomiten Laufs am Start zu sein.  Er fragt: „Habt ihr denn einen Plan B?“ Ich muss lachen. „Ich kenne nur Plan A!“ Theodor hat einen weisen Rat: „Man muss beim Laufen und im Leben immer einen Plan B haben. Und der beste Plan B lautet: Genießen! Genießt die schöne Landschaft und freut euch eures Lebens. Dann habt ihr schon gewonnen, ohne schnell sein zu müssen.

Plan B kann auch heißen, den Lauf als ein Training für den nächsten Wettkampf sehen zu können, wenn es nicht so rund läuft, wie geplant. Das ist genau wie beim Fußball. Wenn man bei der EM verliert, kann man sich doch einfach sagen: das war nur die Vorbereitung für die nächste WM und schon ist die Niederlage gar nicht mehr so bitter.“ Ich danke Theodor für diese Anregungen. Und werde am nächsten Tag noch an seine Worte denken…

Vom Fernseher in der Lobby klingen aufgeregte Stimmen. Italien spielt. Das wird keine leise Nacht. Noch bis zum frühen Morgen feiern Fußballfans in den Gassen den Sieg. Ich finde die Begeisterungsfähigkeit der Leute hier ansteckend. Sie fiebern mit, sie halten zusammen. Sie feiern, was das Zeug hält und halten mit ihrem Siegestaumel den ein oder anderen Läufer vom Schlaf ab. Wie Andries, einen Belgier, den ich am nächsten Morgen bei der Busfahrt von Brixen zum Start in St. Magdalena kennenlerne.

Die Busfahrt zum Start

Der „Villnöss Dolomiten Run“ startet nicht in Brixen, sondern auf 1.248 m Meereshöhe in einem kleinen schnuckeligen Ort namens St. Magdalena. Von Brixen aus kann man mit einem Shuttle dorthin gelangen. Es ist eine sehr familiäre Stimmung, Läufer aus verschiedensten Ecken Europas sitzen beisammen und freuen sich auf diese nagelneue Erfahrung.

andries lotte markus und ich vorm startEs sind auch einige Teilnehmer dabei, die zum ersten Mal bei einem Trail-Event starten – wie die Journalistin und Mountainbikerin Lotte aus den Niederlanden und Student Andries aus Belgien. Andries ist mit einigen Freunden zum Kurzurlaub in Südtirol, er ist der Einzige, der beim Villnöss Run startet, seine Kumpels haben sich direkt aus einer Laune heraus für die längere Distanz angemeldet.

auf dem weg zum start bei st. magdalenaSt. Magdalena

St. Magdalena (wird im Volksmund auch „in Berge“ genannt) ist ein kleiner romantischer Ort mit nicht mal 400 Einwohnern, liegt ca. 35 Minuten von Brixen entfernt und befindet sich im hinteren Talbereich auf 1.339m Höhe. Die Geislerspitzen und die Kirche von St. Magdalena sind die Wahrzeichen des Villnösstales. Die Kirche mit den Bergen im Hintergrund gehört auch zu den begehrtesten Fotomotiven der Dolomiten.

Als wir aus dem Bus aussteigen, machen tatsächlich viele der Läufer Bilder – diese stille märchenhaft erscheinende Bergwelt zieht uns alle sofort in ihren Bann. Wir marschieren den anderen hinterher zum Dorfkern, wo sich der Start befinden soll. Es sind natürlich „alte Hasen“ aus verschiedenen Ländern und Regionen am Start, einige Trail-Läufer aus Deutschland, die im Flachland leben und endlich mal wieder Berge hinauf und hinunter flitzen wollen.

Lustigerweise treffe ich vor der Toilette eine Läuferin, die ich mal bei einem Trailevent in Südthüringen kennengelernt habe. Die Trailwelt ist bunt und klein. Lotte und Andries sind vor dem Rennen doch etwas aufgeregt. Ich bin sehr gespannt, wie sie sich im Ziel fühlen werden. „Ihr werdet heute ganz sicher mit dem Trailrunning angefixt!“, versichere ich ihnen.

Und erzähle ihnen von Theodor und seinem Plan B: Genießen. Andries lächelt: „Das war von Anfang an mein Plan. Genießen. Und ich habe ein Hörbuch dabei: How not to die! Das ziehe ich mir rein.“ Ich muss lachen. Ein Hörbuch beim Traillaufen und dann noch so ein Thema… „Es geht darum, wie man sich ernährt, um lange zu leben“, erklärt Andries. Ich finde das Thema durchaus spannend und rate ihm dennoch, die Natur zu genießen mit allen Sinnen, auch die Ohren einzuspannen.

Die Strecke

Die Strecke führt zunächst durch den Ort über Wiesenwege hinauf zum Magdalena Kirchlein, folgt dem Panoramaweg nach Coll, es geht über Felder und durch Wälder zum höchsten Punkt des Rennens: dem 1.404m hohen Raffreid, weiter zum St. Jakob Kirchlein, wo uns ein wundervoller Ausblick auf die Geisler Berge erwartet und dann nach St. Valentin mit der romantisch-gotischen Kirche, über Miglanz auf Forstwegegen nach Teis, über Kaserol nach Albeins und dann am Fluss entlang bis zum Brixener Domplatz.

villnöss traumhafte landschaftIch genieße jeden Meter, die abwechslungsreichen Wege und Aussichten, die liebevoll angerichteten Verpflegungsstellen und herzlichen Menschen in den kleinen Dörfern.  Am Anfang geht es lange ordentlich rauf und später über lange Passagen hinunter. Mit fast 400m im Aufstieg und über 1000m Abstieg eignet sich der Villnöss Run optimal für alle, die sich auf längere Trailabenteuer vorbereiten wollen, aber er sollte nicht unterschätzt werden. Nach dem Downhill sind die Beine müde, es wird immer wärmer und ich treffe auf dem Weg durch ein Apfelbaumfeld auf Hans Jörg – den Bruder des Laufveranstalters.

Wir reden über Südtirol, die vielen herrlichen Laufwege, diesen wundervollen Tag und die tolle abwechslungsreiche Strecke und über Wein, da er direkt vor unseren Augen auf dem Hügel gegenüber angebaut wird. Ich frage Hans Jörg, welchen Wein er mir besonders ans Herz legen würde. Seine Antwort: „Holt euch im Ort in einem der kleinen Weinläden eine Flasche Kerner. Der schmeckt ganz vorzüglich!“

Die letzten fünf Kilometer sind eigentlich am einfachsten, weil es nur noch gerade aus über einen festen Sandweg am Fluss entlang geht, aber gleichzeitig sind diese Kilometer auch die härtesten, weil man vom langen Bergablaufen und der Hitze doch schon erschöpft ist. Doch das Ziel ist zum Greifen nahe. Zum Schluss wartet ein grandioses Finale: wir laufen durch die Altstadt von Brixen, einer der schönsten Kleinstädte Südtirols zum Zieleinlauf am Domplatz, umgeben von vielen Läufern, Zuschauern und Einheimischen.

Die Restaurants, kleinen Läden und schmalen Gassen sind voller Leben. Mancher Läufer setzt sich nach dem Erreichen des Ziels zum Abkühlen in den kalten Brunnen. Andere legen sich unter die Zelte. Ich schlendere durch die Straßen und bin ganz begeistert von dem Charme dieser Stadt. Und natürlich gehe ich in eines der kleinen lokalen Geschäfte, um den besagten Kerner-Wein zu kaufen und eine Packung Schüttelbrot.

Als ich zurück in den Zielbereich gelange, sehe ich Andries und Lotte wieder. Beide sind total begeistert von der herrlichen Natur, dem Empfang in Brixen und dem Abenteuer Trailrunning.

Lotte ist völlig aus dem Häuschen und total fasziniert vom Trailrunning-Sport. „Ich werde auf jeden Fall weiter machen. Das ist genau mein Ding. Unfassbar, durch solch schöne Natur laufen zu dürfen. Das ist besser als alles. Ich bin angefixt!“ Lotte ist schon mit dem Fahrrad von Miami nach Alaska gefahren. Andries ist ebenfalls total glücklich und schwärmt ausgelassen von der Strecke. Sein Hörbuch kam nicht zum Einsatz. „Es war so spannend, ich habe gar keine Ablenkung gebraucht – wenn ich Straßenläufe mache, ist das anders, da brauche ich was auf die Ohren. Aber beim Trailrunning passiert immer irgendwas, es wird nie langweilig!“

Einige Läufer berichten mir, dass vor dem Lauf einige Jugendliche Fähnchen von der Strecke entfernt haben – wahrscheinlich gar nicht aus bösen Absichten, sondern vermutlich einfach nur aus dem schlichten Grund, weil sie diese so schön fanden.

Die Veranstalter haben einen genialen Job gemacht. Natürlich können ein paar kleine Dinge verbessert werden – mehr Busse zum Start und vielleicht der ein oder andere Streckenposten mehr, aber ansonsten ein Top-Rennen. Ich würde jederzeit wieder durch diese herrliche Landschaft rennen. Die Stimmung unter den Teilnehmern war grandios. Die Verpflegung optimal und der Zieleinlauf in Brixen der perfekte Abschluss eines schönen Laufabenteuers.

im ziel eine jungstruppe mit medaille

brixen am abend tabitha geniesst die stimmung in der altstadt

Tabithas Touri-Tipps:

  • In Brixen am Domplatz eine Pizza essen mit Blick auf den Dom und danach in der Abendstimmung einen Spaziergang durch die Altstadt und an der Flusspromenade machen.
  • Nur wenige Kilometer von St. Magdalena entfernt befindet sich die Zanser Alm, der Ausgangspunkt für viele tolle Trails und Wanderwege. Auf der Gampenalm wartet ein stimmungsreicher Sonnenuntergang.
  • Wein kaufen in einem der kleinen Läden. Lohnt sich. Unser Favorit: Kerner.

brixen bietet neben dem laufen auch viel genuss

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