Macht uns (Frucht-) Zucker schwach?

RUNTiMES im Gespräch mit Dr. Jens Freese über natürlichen und künstlichen Fruchtzucker, was er in unserem Körper bewirkt und was wir für eine gesunde Ernährung beachten können.

„Obst ist nicht unser Kernproblem. Das Problem ist der Glukose-Fruktose-Sirup.“

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RUNTiMES: Obst bzw. Fruktose galt lange Zeit als gesunde Alternative zu herkömmlichem Zucker. Inzwischen hört man immer häufiger, dass zu viel Fruchtzucker dick macht. Was stimmt denn nun?

Dr. Jens Freese: Obst ist natürlich ein wertvolles Lebensmittel. Allerdings kommt es immer auf die Menge an und auf die Obstsorte. Reife Bananen enthalten zum Beispiel mehr Fruchtzucker als Äpfel. Fruktose gelangt nahezu zu 100% in die Leber und wird dort zu Fett umgebaut. Einzige Ausnahme: Wenn du auf dem Triathlon-Bike sitzt oder einen Long-Distance-Run machst. Dann wird Fruktose von der Muskulatur verbrannt.

RUNTiMES: Klingt als müssten wir uns von der Faustregel „5 Portionen Obst am Tag“ verabschieden?

Dr. Freese: Obst ist nicht unser Kernproblem. Das Problem ist der Glukose-Fruktose-Sirup, der den Convenience-Produkten, sprich der Fertignahrung zum Aufreißen, beigefügt wird. Dieser künstliche Fruchtzucker hat eine hohe Süßkraft, schmeckt der ganzen Familie und ist unglaublich billig herzustellen. Eine einzigartige Symbiose zwischen Verbraucher und Lebensmittelindustrie, die nur leider einen Nachteil hat: Verfettung. Erst verfettet die Leber, dann steigt das Big Belly Fat, also das viszerale Bauchfett. Und wenn das nicht mehr reicht, verfettet der Rest des Körpers: Muskeln, Herz – einfach alles!

RUNTiMES: Woran können wir erkennen, ob der Fruchtzucker in unseren Lebensmitteln gesund ist?

Dr. Freese: Man sollte immer schauen, ob ein Nahrungsmittel natürlich ist oder industriell verarbeitet wurde. Man sollte einen Apfel zum Beispiel immer essen und nicht in Form von Apfelsaft trinken. Äpfel sind natürliche Nahrungsmittel mit vielen Faser- bzw. Ballaststoffen. Die Fruktose-Moleküle sind im Apfel daher komplex gebunden. Sie können von unseren Verdauungsenzymen nicht so leicht resorbiert werden wie die Fruktose aus Flüssignahrung. Wenn man Äpfel kocht, werden sie sehr süß. Durch den Kochvorgang werden die Zuckermoleküle frei und können leicht aufgenommen werden.

RUNTiMES: Was genau ist künstlicher Fruchtzucker eigentlich?

Dr. Freese: Künstlicher Fruchtzucker ist nicht synthetisch, sondern wird in der Regel aus Mais in einem industriellen Raffinationsprozess hergestellt. Dieses Verfahren wurde in Japan entwickelt. Die Amerikaner haben das Patent den Japanern abgekauft, den Wirkungsgrad verfeinert und die ganze Landwirtschaft auf Monokulturen umgestellt, um billige Fruktose herzustellen.

Dass die Amerikaner zu den dicksten Erdenbürgern gehören, ist keine neue Erkenntnis. Aber diesen Trend sieht man überall in der Welt, wo der American Way of Life Einzug erhält. Leider sind unsere Fachgesellschaften und die Politik Handlanger der Interessen der Industrie. Frau Klöckner, unsere Landwirtschaftsministerin, hat gleich am Anfang ihrer Legislaturperiode gesagt, dass sie gegen eine Zuckersteuer ist. Begründung: Weil die Fettsteuer in Dänemark nichts gebracht habe. Stattdessen erhöht man lieber die Krankenkassenbeiträge, wenn die Zahl der Diabetiker steigt. Und die Lebensmittelindustrie schiebt es dann auf den Bewegungsmangel. Der wahre Grund aber ist: Fruchtzucker!

RUNTiMES: Wie können wir im Supermarkt vermeiden, dass zu viel ungesunder, künstlicher Fruchtzucker in unserem Einkaufswagen landet?

Dr. Freese: Jack LaLanne, der Begründer von CrossFit, hat einmal gesagt: If man made it, dont eat it. Folgende Tipps helfen, um ungesunden Fruchtzucker zu vermeiden:

  • verpackte Nahrung im Regal stehen lassen
  • Labels checken und keine Lebensmittel kaufen, die Glukose-Fruktose-Sirup enthalten
  • Synonyme für Zuckerarten kennen
  • Fruktose-Tabellen downloaden und lernen, in welchen Sorten hohe Mengen an Fruktose stecken
  • Einkaufsverhalten nach und nach ändern und die Gesundheit in die eigenen Hände nehmen

RUNTiMES: Vielen Dank für das Interview!